Von Robert Scheer
Vergesst Bernie Madoff und Enrons Ken Lay – sie waren nur Amateure bei finanziellen Verbrechen. Der gegenwärtige Libor-Zinsfuß-Skandal, bei dem es um hunderte Billionen im internationalen Handel mit Derivaten geht, zeigt, wie die wirklich großen Jungs spielen. Und diese Typen werden mit großer Wahrscheinlichkeit nicht im Gefängnis sitzen, weil sie die Gesetze neu schreiben, bevor sie das Verbrechen begehen.
Die modernen internationalen Banker bilden eine Klasse von Dieben, wie sie die Welt nie zuvor gesehen hat. Oder sich nur vorgestellt hat. Der Libor-Skandal – die Abkürzung für London Interbank Offered Rate – hat zu einer riesigen Strafe für die Barklays Bank geführt und droht, einige der weltgrößten Spitzenfinanziers mit zu fangen. Er enthüllt, dass hinter dem Finanzgebäude der Welt eine stinkende Jauchegrube mit nie dagewesener Korruption liegt. Die modernen Räuber-Barone plündern mit destruktiver Hemmungslosigkeit und unbehindert von Gesetz und Gewissen und in einem Ausmaß, das zu begreifen fast unmöglich ist.
Wie soll man eine Zahlung von 450 Milliarden $ an eine Bank verstehen, deren Verteidigung im Strafverfahren vor Aufsichtsbehörden in London und Washington anführte, dass es alle in ihrem Elite-Finanz-Kreis so machten? Nicht nur Barclays, sondern auch JP Morgan Chase, Citigroup und andere werden jetzt geprüft, wegen des Verdachts, die Libor-Rate manipuliert zu haben, die für den Markt mit 700 Billionen $ Derivaten unerläßlich ist.
Wie das berühmte Reh im Scheinwerferlicht gefangen, ist der Vorsitzende von Barclays Robert E. Diamond in dieser Woche zurückgetreten und bot dem Parlament eine wehleidige Rechtfertigung an, dass er erst kürzlich davon erfahren habe, dass seine Bank den Index manipuliere, von dem so ein großer Teil des internationalen Handels abhängt. Das ist nur plausibel, wenn wir annehmen, dass ihm 10 Milliarden $ jährlich gezahlt wurden, um bewusst ignorant zu sein. Das Wall Street Journal hat den Skandal vor ganzen vier Jahren aufgedeckt, aber seine Bank hat nichtsdestoweniger weitergemacht.
„Eine Studie wirft Zweifel auf die Schlüssel-Rate“, war die Schlagzeile am 29. Mai 2012, ein untersuchender Report, der mit den Worten schloss: „Große Banken tragen zu dem unberechenbaren Verhalten der entscheidenden Darlehens-Benchmark [was eigentlich ein Fixpunkt sein sollte. A. d. Ü.] bei, wie die Analyse des Wall Street Journals zeigt.“ Selbst damals war es laut dem Bericht bekannt, dass die Libor-Rate manipuliert worden ist, „um so zu fungieren, als ob das Bankensystem in kritischen Momenten der Finanzkrise besser als in Wirklichkeit dastand“.
Mit einem Sprung um vier Jahre vorwärts zu Diamonds Aussage vor dem Parlament in dieser Woche, in der der Firmenboss behauptete, dass seine jüngste Entdeckung eines Musters von Zinsmanipulierung bei Barclays ihn „physisch krank“ gemacht habe. Wer hat die Schuld? Laut Fimenboss: die Untergebenen, die hinter seinem Rücken handelten.
Der in den USA geborene Banker, der sowohl die englische als auch die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, ist in Finanz-Schikanen gut versiert. Er begann seine Karriere mit der Zusammenstellung von Derivat-Paketen bei der Credit Suisse First Boston 1996. Im parlamentarischen Verhör war er gezwungen zuzugeben, dass „ich nicht hier sitzen und sagen kann, dass niemand in der Industrie über die Probleme mit dem Libor [Bescheid wusste]. Das war dort auch ein Problem und hätte auf breiter Front angegangen werden müssen“.
Er konnte nicht weit verbreitete Schikane in seiner Bank leugnen, weil, wie beim Kollaps von Enron vor einem Jahrzehnt, die Kontrolleure einen so offenkundigen Berg von Emails mit Marktmanipulationen entdeckt hatten, dass die Spitzenmanager, wenn sie davon nichts wussten, dann deshalb, weil sie es nicht wissen wollten.
Die New York Times schrieb in einem Leitartikel: „Der von dem Justizministerium vorgelegte Beweis – den Barclays als ‘wahr und korrekt’ anerkannt hat – ist vernichtend. ‘Immer froh, helfen zu können’, schrieb ein Angestellter in einem Email, der gebeten worden war, falsche Informationen zu liefern. ‘Wenn du weisst, wie man ein Geheimnis bewahrt, werde ich dich aufklären’, schrieb ein Barclays Makler einem Makler bei einer anderen Bank, wobei er sich auf ihre Strategien zum gegenseitigen Nutzen bezog. Wenn das keine Verschwörung und Preisfestlegung ist, was dann?“
Diese Story erschien ursprünglich bei Truthdig. Robert Scheer ist Autor von The Great American Stickup: How Reagan Republicans and Clinton Democrats Enriched all Street While Mugging Main Streat bei Nation Books.
Quelle und Übersetzung: einartysken
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Ubasser

Kommentare zu: "USA – Libor, das größte Verbrechen des Jahrhunderts" (1)
Offener Brief zum ESM: Leistung und Gegenleistung
Europäischer Stabilitätsmechanismus schafft Werte aus dem NICHTS: Führende europäische Geschäftsbanken, aber ganz besonders die in den LIBOR-Skandal verwickelten Banken, mögen bitte binnen sieben Tagen 27.000.000.000 Euro zugunsten der gebeutelten europäischen Regierungen aufbringen.
Der Autor Hans Kolpak verfasst seit 2009 Pressetexte für Parteien und Unternehmen. Auch veröffentlicht er gesellschaftliche Texte, die sich wirtschaftlichen Themen widmen. Er wendet sich durch diesen offenen Brief primär an die europäische Bankenwelt, aber in besonderer Weise an alle Banken, die in den LIBOR-Skandal verwickelt sind:
Banken-Konsortium
Er bittet ein Konsortium führender europäischer Geschäftsbanken, allen EU-Mitgliedsstaaten ein einmaliges Darlehen von 27.000.000.000 Euro zu gewähren. Da der Interbankenmarkt zusammengebrochen ist, weil die Banken sich gegenseitig misstrauen, verleiht die EZB Geld in unbegrenzter Höhe, um den Schein zu wahren. Die Banken des Konsortiums mögen den Betrag zu gleichen Teilen binnen sieben Tagen direkt an alle 27 EU-Mitgliedstaaten überweisen.
Diskretion ist Ehrensache
Niemand darf beanspruchen zu erfahren, welche Bank in welcher Höhe an dem Gesamtbetrag beteiligt ist. Den beteiligten Banken wird Verschwiegenheit und Anonymität, Straffreiheit und Immunität zugesichert.
Mit diesem Geld sollen die Regierungen Pressemitarbeiter einstellen, die besser lügen. Sie sollen den Wählern und Steuerzahlern das freiheitlich-demokratische Paradies erklären. Mit dem Restbetrag können sie beliebig verfahren. Bedarf an Dienstwagen und Dienstflugzeugen besteht immer.
Vertrauen in die Märkte
Die Banken des Konsortiums, die durch diese Aufgabe geadelt werden, überweisen 27 mal 1.000.000.000 Euro direkt an jeden einzelnen EU-Mitgliedsstaat. Dann haben alle die gleiche Chance, etwas aus dem Geld zu machen. Als Initiator vertraut Hans Kolpak den Banken und Regierungen grenzenlos und weiss, wie alles mit rechten Dingen zugeht.
In der besonderen Pflicht, sich zu engagieren, sind in erster Linie alle in den LIBOR-Skandal verwickelten Banken neben möglicherweise weiteren: BANK OF AMERICA, BARCLAYS, BTMU, CITI, CREDIT SUISSE, DEUTSCHE BANK, HBOS, HSBC, JP MORGAN, LLOYDS, NORINCHUCKIN, RABOBANK, RBC, RBS, UBS, WESTLB.
Die äußerst geringe Gegenleistung
Die geringe Gegenleistung für die grossartige Idee von Hans Kolpak kommt von den EU-Mitgliedstaaten direkt. Die Regierungen überweisen ihm lebenslang in der Mitte des Monats den tagesaktuellen Einkaufspreis mit der aufgeschlagenen Umsatzsteuer von 19 Prozent für drei Feinunzen Silber in der gerade gültigen Umlaufwährung. Derzeit wird eine Feinunze Silber für etwa 27 US-Dollar gehandelt.
Die Beteiligten müssen dann selbst sehen, wie sie den Markt für Staatsanleihen in Schach halten. Hans Kolpak findet nur, jeder Affe, der so etwas vorschlägt, hat seinen Birkenzucker verdient. Dafür will er weder mit dem Karlspreis noch mit dem Friedens-Nobelpreis geehrt werden. Mit solchen Leuten steht und sitzt er nicht in einer Reihe.
Hans Kolpak
Deutsche ZivilGesellschaft
Münchweiler an der Rodalb, 13. Juli 2012