Anmerkungen zum Thema Geldverleih und Zinseszins

24. Januar 2012 von UBasser



Auszug aus dem Buch von Paul C. Martin:  „Aufwärts ohne Ende“

 

Nachzulesen im Buch „HuMan-Wirtschaft“ Band 1  Seite 21  also hier:

http://www.kreditie.at/index.php?option=com_content&view=category&layout=blog&id=80&Itemid=279

 

Rom, November 43 vor Christus. Die Triumvirn, Octavian (der spätere Kaiser Augustus), Antonius und Lepidus, treffen, jeder mit einer Legion und seiner Leibgarde, in der Hauptstatt ein. Sie veröffentlichen eine Liste von über 100 Senatoren und 2000 Rittern, das waren Privatbankiers und Geschäftsleute, Financiers und Grundbesitzer, wobei man
die Wahl nur unter den Reichsten traf.

Alle auf der Liste, darunter Cicero, werden zum Tod und zur Einziehung ihres gesamten Vermögens verurteilt.
Der Historiker Dio berichtet, dass die Triumvirn „aus Geldmangel“ gegen die Reichen vorgingen.“

Mit der Veröffentlichung der Listen werden Belohnungen an jedermann, auch an Sklaven, ausgelobt, wenn man Geächtete verrät oder sie ermordet. Wer ihnen jedoch hilft, und sei es der nächste Verwandte, wird mit Tod und Gütereinziehung bestraft.

Catilina hatte noch versucht, das Problem der Überschuldung durch Streichung und das Anlegen neuer Schuldbücher („novae tabulae“) zu lösen. Damit war er vor zwanzig Jahren gescheitert, was bedeutet, dass die Schulden durch Hochbuchen immer schneller immer weiter stiegen. Beim damals üblichen römischen Zinssatz von zehn bis 12 Prozent verdoppelten sich „stehen gebliebene“ Beträge alle sechs bis sieben Jahre.

Mit den Schulden wuchsen die Guthaben. Die reichen Senatoren und Ritter wurden immer reicher. Und plötzlich entdeckten sie ihren Namen auf der Liste, auf der „Postkription“. Stolze Senatoren, die einst Konsuln waren und über unermessliche Reichtümer und Provinzen geherrscht hatten, verkleideten sich als Sklaven oder als Latrinenputzer.

Sie flehen ihre Bediensteten auf Knien an, sie nicht zu verraten, und verstecken sich unter dem Fussboden, in aufgelassenen Gräbern und in Kloaken. Söhne verraten ihre Väter, Frauen geben ihre Männer preis. Einige versäumen vor lauter Jammern die Flucht.  Cicero, den seine treuen Sklaven noch rechtzeitig vor den Schergen auf ein Schnellboot gebracht hatten, wurde so seekrank, dass er freiwillig wieder an Land ging, und sich niedermachen liess.

Wenige zeigten Haltung, verschanzten ihre Häuser, bewaffneten ihre Sklaven und verkauften ihr Leben teuer. Ein 80jähriger Greis, der sehr wohlhabend war, verteilte sein Gold, sein Silber, seine Wertgegenstände unter die vorbeieilenden Passanten, zündete sein Haus an und stürzte sich in die Flammen. „Täglich“, so schreibt der Historiker Ferrero, „sah man in Rom auf dem Forum von den verschiedensten Gegenden der Halbinsel her Soldatentrupps eintreffen, die in Säcken die abgeschlagenen Köpfe von Proskribierten, vornehmen Senatoren oder reichen Finanzmännern, herbeischleppten, um die grausigen Trophäen öffentlich auszustellen.“ So endete vor 2000 Jahren eine „Finanzoperation des Schuldenerlasses in einer Schlächterei als allgemeine Entschuldung.“

 

 

Und noch ein Gesetz das bis vor 500 Jahren galt:

 

 

Noch keine 600 Jahre ist es her, da vergrub man die Leichen der Geldverleiher weit vor der Stadt, auf ungeweihtem Boden, zwischen Schwerstverbrechern und Frauenmördern. Auf sie warteten die ewigglühenden Kohlen der Hölle und die sadistischen Spiele der haarigen Teufel. Wer Zinsen kassierte, der war schlimmer als ein Räuber, der war ein Sünder.

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