Polen und die Fälschungen seiner Geschichte – Teil 4

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17. September 2013 von UBasser


Von Else Löser

Teil 4.

 

Zweites Beispiel:

 

Der plötzliche Überfall des böhmischen Herzogs Bretislav I. im Jahre 1038 oder 1039 auf Wielkopolska führte zur Plünderung derwichtigsten Städte des polnischen Staates (Gniezno, Poznań und andere). Śląsk wurde vorübergehend von Böhmen besetzt. Durch den Verlust von Pomorze wurde der damalige polnische Staat von der Ostsee abgeschnitten. Mit dem Wiederaufbau des geschwächten Staatswesens wurde in Malopolska begonnen. Der Sitz des Herrschers wurde aus den Städten der Polanen nach Krakowverlegt. Krakowwar nämlich enger mit den Zentren des aktiven politischen Lebens in West- und Osteuropa verbunden.

 

Nun steht aber geschichtlich einwandfrei fest, daß Krakau vor dem Mongolensturm im Jahre 1241 von Deutschen bewohnt und nur ein Burg- und Marktflecken war, der von den Mongolen zerstört und niedergebrannt wurde. Die Deutschen bauten Krakau wieder auf und erhielten im Jahre 1257 vom Landesherrn das Privileg, daß nur Deutsche als Bürger aufgenommen werden durften. 1259 wurde es noch einmal von den Mongolen erobert. Der polnische Historiker Ptaśnik bezeugte, daß Krakau noch im 15. Jahrhundert „nahezu völlig deutsch“ war.

 

Die Polen aber verbreiten nun die Mähr, daß der Sitz des Herrschers aus den Städten der „Polanen“ bereits 1039 nach einem böhmischen Überfall nach Krakau verlegt wurde. Im Jahre 1039 gab es weder ein Wielkopolska noch ein Malopolska noch die Stadt Krakow, da diese ja erst nach dem Mongolensturm 1241 aus dem unbedeutenden Marktflecken sich zur größten Stadt der Region zu entwickeln begann, dazu mit dem Privileg, nur deutsche Bürger aufnehmen zu dürfen. Zwischen der polnischen Mähr und der geschichtlichen Wirklichkeit liegen immerhin 200 Jahre.

 

Wie verhält es sich nun mit den behaupteten:

 

„…berühmten polnischen Ausgrabungen, die zu den wichtigsten Zentren der Archäologie in der Welt geworden sind, geführt von einem der „bedeutendsten Gelehrten“ des 20. Jahrhunderts aus der „berühmten“ archäologischen Schule des Josef Kostrrewski. Er hat durch Ausgrabungen die ursprüngliche und ununterbrochene Anwesenheit slawischer Stämme in den Einzugsgebieten von Oderund Weichsel sowie in Pomorre nachgewiesen. Er hat bedeutungsvolle Untersuchungen der uralten Kultur der Slawen durchgeführt – u. a. Der berühmten Wehrsiedlung in Biskupin, ein Zeugnis der Lausitzer Kultur der frühen Eisenzeit – und sein ganzes Leben hindurch mit den chauvinistischen Konzeptionen einiger deutscher Archäologen polemisiert (als Polen von den Hitlerfaschisten besetzt war, stand sein Name deshalb auf der Liste der von der Gestapo besonders gesuchten Personen.)

 

Josef Kostrzewski hat eine umfassende Synthese der Ergebnisse von Archäologie, Geschichtswissenschaft, Anthropologie, Sprachwissenschaft und Ethnographie vorgenommen und nachgewiesen, daß die Bevölkerung der Lausitzer Kultur (seit der Bronzezeit) zu den Urslawen gehört hat. … Gleichzeitige und spätere Untersuchungen von Schülern Koshzewskis sowie anderen Archäologen …. haben die historischen Rechte der Polen auf die Gebiete an Oder, Lausitzer Neiße und Ostsee bestätigt und zugleich nachgewiesen, daß die Behauptungen einiger deutscher Historiker von der angeblich entscheidenden Rolle der deutschen Kolonisierung bei der wirtschaftlichen Entwicklung des mittelalterlichen Polens falsch waren.

 

Die Geschichte gehört zu den Wissenschaften, mit denen man sich in Polen gern befaßt. Das 19. Jahrhundert hat in Polen eine ganze Reihe ausgezeichneter Geschichtswissenschaftler hervorgebracht. Auch das Interesse für Geschichte war in Polen immer besonders rege. In den Zeiten des Niedergangs des polnischen Staates schöpften die Polen gerade aus der Geschichte Mut und Hoffnung, indem sie sich mit der Größe und Kultur der polnischen Adelsrepublik zu früheren Zeiten vertraut machten. Und in der Geschichte haben die Polen nach Lehren für die Zukunft gesucht.“

 

Ich muß so ausführlich zitieren, um mit Fakten aus der Geschichte zu antworten. Die Polen verneinen die entscheidende Rolle der deutschen Aufbauleistungen, weil selbstverständlich nur demjenigen das Land gehören kann, der 900 und mehr Jahre lang es urbar und fruchtbar gemacht hat, der Wälder gerodet, Äcker bebaut, Brücken und Straßen angelegt, Kanäle gezogen, Städte und Dörfer gebaut und die herrlichsten Dome und Universitäten errichtet hat. Wenn sie zugeben, daß sie selbst an diesem enormen Aufbau und an dieser Kultivierung des Landes und Lebens nicht teilgehabt haben, hätten sie doch kein Recht auf diese Besitztümer. Deshalb restaurieren sie auch so fleißig die alten Bauten, weil sie dadurch wenigstens den Schein eines Rechtes darauf begründen wollen. Und um dem noch etwas Nachdruck zu geben, möchten sie eine alte Kultur der Slawen nachweisen. Sie lassen ganze Scharen von „hervorragenden Wissenschaftlern und Archäologen“ aufmarschieren, so daß man sich fragen muß, wer von diesen Leuten wirklich gelebt hat. Eine solche Fülle von Namen großer Wissenschaftler auf jedem Gebiet hat kein anderes Volk aufzuweisen, nicht ein mal das als Volk der Dichter und Denker ehemals bekannte Volk der Deutschen. Man muß diesen Deutschen doch beweisen, daß die Urslawen nicht nur aus der Eisen- oder Bronzezeit stammen, sondern daß sie schon vor 50.000 Jahren auf mittelpolnischen Gletschern gesessen haben. Über die Größe und Kultur der polnischen Adelsrepublik, auf die man sich so stolz beruft und Mut und Hoffnung für die Zukunft schöpft, hat es vor Jahren noch eine polnische Sendung in unserem Fernsehen gegeben, in der die polnischen Sprecher von der Verkommenheit und Käuflichkeit der Adeligen und der Leibeigenschaft und Knechtschaft des Volkes berichteten und bittere Klage erhoben. Über diese Adelsrepublik gibt es ein interessantes Bekenntnis des einstigen Anwärters auf den polnischen Königsthron, Stanislaw Leszczynski, aus dem Jahre 1733, das diese Klagen bestätigt:

 

„Ich kann nicht ohne Schaudern mich jenes Gesetzes erinnern, das nicht mehr als eine Buße von 50 Franken einem Edelmann auferlegt, der einen Bauern getötet hat. Um diesen Preis kauft man sich in unserer Nation von der Strenge des Gesetzes los. Polen ist das einzige Land, in dem die Bevölkerung gleichsam aller Menschenrechte verlustig gegangen ist.“

 

Und der französische Oberst Dumouriez, der 1770 in besonderer Mission die Verhältnisse genau studieren konnte, urteilte:

 

„Die Polen fochten für ihre Verfassung, für ihre Freiheit; sie hätten damit anfangen sollen, dieselbe zu zerstören.Die polnische Verfassung ist eine reine Aristokratie, in welcher die Adeligen aber kein Volk zu regieren haben. Denn diesen Namen kann man 7 oder 8 Millionen dem Boden anklebenden Leibeigenen, die keine politische Erdstenz haben, deren Sklaventum verkauft, vertauscht, vererbt wird und die sich alle Veränderungen des Eigentums wie die Haustiere gefallen lassen müssen, unmöglich beilegen. Der gesellschaftliche Körper der Polen ist eine Mißgeburt, die lauter Köpfe und Magen, aber keine Arme und Beine hat Ihre Regierung, ihr Gesetzbuch gleicht dem der Zuckerkolonien, die aus eben denselben Gründen ihre Unabhängigkeit nicht behaupten können.“

 

Beide Zitate aus „Slawenlegende“.

 

Geschichte läßt sich eben doch nicht so einfach auslöschen, wie die Verfasser des neuesten Märchenbuches über Polens Vergangenheit sich das dachten, es gibt in den Archiven noch sehr viel anderslautende Beweise. Auch die im Fernsehen bekanntgegebene Stellungnahme zur polnischen Geschichte des Professors Markiewicz nach der Ausstrahlung des Filmes „Narben“ widerspricht klar und deutlich den Ergüssen der Literaten vom großen Interesse des ganzen Volkes an der Geschichte Polens. Wäre es so, wie hätte er dann sagen können:

 

„Das Geschichtsbewußtsein des polnischen Volkes ist nicht geprägt von Historikern und Geschichtswissenschaftlern, sondern von seinen großen Dichtern und Schriftstellern Adam Mickiewicz und Henryk Sienkiewicz.“

 

Wer zuviel lügt, weiß nicht mehr, was der andere schon gelogen und das 19. Jahrhundert hat nicht eine ganze Reihe ausgezeichneter polnischer Geschichtswissenschaftler hervorgebracht, sondern eine ganze Reihe chauvinistischer Schreiberlinge, die alles Deutsche in Grund und Boden stampften und die Grundlage für den späteren unbändigen Haß der Polen schufen. Bis etwa 1820 hat es in der polnischen Literatur diesen Haß nicht gegeben, auch die Zeit der Christianisierung durch die Kreuzritter ist nicht so widerwärtig blutrünstig und verlogen geschildert worden.

 

So erhebt der Roman „Mit Feuer und Schwert“ durchaus nicht den Anspruch auf Geschichtlichkeit, sondern – wie in diesem neuen Märchenbuch vermerkt, sollte er nach der Absicht von Henryk Sienkiewicz „die polnischen Herzen stärken“. Aber die Auswirkungen sind derart, daß alle Schichten des Volkes, auch die des allerhöchsten Klerus, wie er uns ja in seiner sogenannten „Versöhnungsbotschaft“ bewiesen hat, als absolut wahr empfunden wird. Diese Geschichtenschreiber werden jetzt zu Geschichtswissenschaftlern erhoben, „die die polnischen Herzen weiterhin stärkt“. So einfach ist die Geschichte.

 

Hier noch gleich einen Beitrag aus dem Märchenbuch auf dem Gebiet der „Theaterkultur“. Auf Seite 476 werden die „Traditionen der polnischen Kunst“ erklärt und da heißt es wörtlich:

 

„Beim ersten Vertreter der Plastendynastie weilten in Gestalt zweier Jünglinge Engel zu Gast, die nach slawischem Brauch mit Met und Milch bewirtet wurden. Der gutmütige polnische Teufel Bomta, der an Weggabelungen spukte, war nach Art des Schlachta-Adels angezogen, der „kosmopolitische“, zum Bösen verführende Satan dagegen trug deutsche Kleidung.“

 

Kann sich die polnische „Kultur“ besser offenbaren als durch diesen eingestandenen Haß? Welch eine Flut von Lügen wird hier in die Welt gesetzt, um nur ja nicht zugeben zu müssen, daß man wirklich alles den Deutschen zu verdanken hat. Es gibt nicht ein einziges Thema in dieser Lügenpostille, die der Wahrheit die Ehre geben würde. So wird z. B. auch der vorher erwähnte Professor Linde, der erst als Erwachsener die polnische Sprache erlernte und sie dann so beherrschte, daß er den Polen ihr Wörterbuch und ihre Grammatik gab, in diesem Buch als ein in Schweden geborener Pole aufgeführt.

 

Genauso verhält es sich mit den hervorragenden Bauten, die aus dem 12. und späteren Jahrhunderten stammen. Nirgends und niemals werden die Deutschen als die Schöpfer und Erbauer genannt. Man macht sich so lächerlich, daß man sich in eine „polnische Architektur der Gotik“ flüchtet. Oder man nennt höchstens die Zisterzienser als Baumeister, die die Zweigniederlassungen des Morimonder Klosters (Burgund) errichteten – „ein Ausdruck der unmittelbaren Beziehungen zu Frankreich.“ Die „polnische Architektur der Gotik“ läßt in allen Städten die schönsten Bauten entstehen, das wiederholt man unzählige Male. Doch würde man im gesamten Polen alle von Deutschen oder Italienern errichteten großartigen Bauwerke zerstören, würde man nur stehenlassen, was die Hände polnischer Menschen geschaffen haben, wären in den Städten nur charakterlose Mietskasernen übriggeblieben, langweilige Steinbaukastenhäuser aus der Zeit der Jahrhundertwende und einige moderne Wohnviertel, die nichts besonders darstellen, an denen sich das Auge kaum erfreuen kann. Aber das Geschichtsbuch will das Gegenteil beweisen und deshalb muß man ja lügen.

 

Ich bin in diesem „Geschichtsbuch“ noch auf eine besonders üble Verdrehung und Verleumdung gestoßen, die ich nicht unerwähnt lassen kann. Jedem Einwohner Polens war der durch alle Volksschichten gehende Antisemitismus bekannt. Die Juden wurden genau so wie die Deutschen gehaßt und verfolgt, vielleicht noch mehr als die Deutschen. Immer wieder wurde zum Boykott der jüdischen Geschäfte aufgerufen, „Nie kupuj u zyda“ (Kauft nicht bei Juden) war in den meisten polnischen Schaufenstern zu lesen. Es gab Zeiten, wo die Juden auf den Straßen genauso wenig ihres Lebens sicher waren wie die Deutschen. Als ich 1943/44 längere Zeit in Warschau war, hörte ich von so manchem Polen den Ausspruch, daß er Hitler überaus dankbar sei, daß er Polen von den Juden befreit habe. Nach dem Kriege zeigt sich, daß Polen doch nicht so Judenfrei war, wie man erhofft hatte, und alsbald veranstalteten die Polen ein Pogrom. Es gibt viele jüdische Schriftsteller und Politiker, die darüber berichteten: So manche Zeitung brachte diese Pogrom-Berichte jüdischer Berichterstatter. An der Tatsache gibt es gar keinen Zweifel.

 

Hören Sie nun, wie die polnische Geschichtsschreibung daraus Kapital für sich schlägt. Ich zitiere von Seite 104:

 

„Nach Auffassung der Deutschen starben die Juden in den Ghettos aber zu langsam, es wurde also zu ihrer endgültigen Liquidierung übergegangen, sei es durch Ermordung an Ort und Stelle oder in Speziallagern. Von über 3 Millionen polnischer Juden überlebten kaum einige Zehntausend. Sie verdankten ihr Leben der polnischen Bevölkerung. Obwohl auf Hilfe für Juden die Todesstrafe stand, schmuggelten Polen Lebensmittel in die Ghettos und verbargen später diejenigen, denen es gelang, aus den Ghettos zu entkommen. Es gab eine spezielle Organisation, die in sich zahlreiche polnische Organisationen vereinte und der jüdischen Bevölkerung Hilfe zukommen ließ – den Hilfsrat für Juden.“

 

Das ist so perfide, daß es einem die Sprache verschlägt. Die Polen, die einem Juden nicht einmal ein Glas Wasser gegeben hätten, wollen sogar eine Organisation zur Hilfe für die Juden gestellt haben? Was für ein großartiges und selbstloses Volk, das sich in Todesgefahr begibt, um den Juden zu helfen. So schreibt man heute Geschichte und so schrieb man sie vor hunderten von Jahren.

 

Genauso wird, sogar auf der gleichen Seite 104, der Bromberger Blutsonntag umgelogen, nur wird er nicht so bezeichnet. Kurz und bündig sagt man:

 

„Sofort nach Beendigung der Kämpfe ermordeten sie (die Deutschen) Zehntausende von Polen in Bydgoszcz.“

 

Ich will nun darauf zu sprechen kommen, warum uns diese enormen Geschichtsfälschungen so massiv aufgetischt werden. Zuerst wollen die Polen natürlich ihre Minderwertigkeitskomplexe abreagieren, deshalb stellen sie sich selbst als ein so heroisches und tapferes, edles Volk dar, so ohne Fehl und Makel. Aber sie verfolgen weit größere Ziele, als nur die, sich selbst aufzuwerten. Was hier und da bekannt wird, müßte eigentlich jeden Deutschen endlich wachrütteln.

 

Seit einigen Jahren bringen die verschiedensten Zeitungen besonders in Norddeutschland Berichte von deutschen Akademikern, wonach man in alten Kirchenbüchern und Personenstandsregistern auf „urslawische“ Rechte und Besiedlungen in den Gebieten von Kiel über Braunschweig und Kassel hinunter nach Nürnberg bis östlich von München gestoßen ist. Dazu muß man noch wissen, daß volkspolnische Offiziere und Unteroffiziere bereits seit Jahren darauf gedrillt werden, daß Lübeck, Lauenburg, Ratzeburg „urslawische Gebiete“ sind, daß somit ein historischer Anspruch der „slawischen Völkerfamilie“ auf ganz Schleswig-Holstein besteht.

 

In den dreißiger Jahren hatte Polen im In- und Ausland eine Propaganda-Postkarte mit Unterstützung der Staatsbehörden verbreitet. Auf dieser Postkarte sind die als „historisch“ ausgegebenen Grenzen Polens mit dem weißen Raubadler als Hintergrund eingezeichnet, die die gesamten Gebiete der Slowakei, der Tschechei, die deutschen Gebiete bis Dresden-Berlin-Ostsee, ganz Schlesien, Pommern, Westpreußen und Ostpreußen umfassen. Die Karte ist diesen Ausführungen (Teil 2) beigefügt. Diese Grenze strebte Polen bereits an, als es die britische Garantieerklärung noch nicht in der Tasche hatte. Polen war sich klar, daß es nur durch einen Krieg diese Ausdehnung erreichen konnte, deshalb betete man in den Kirchen auch fleißig um den großen Völkerkrieg:

O wielką wojnę ludów prosimy Cię, Panie! (Um den großen Völkerkrieg bitten wir Dich, Herr!)

Nachdem England den Krieg gegen Deutschland beschlossen hatte und Polen bereit war, ihn gegen eine Garantieerklärung Englands anzuzetteln, veröffentlichte die Zeitung „Dziennik Poznański“ in der Ausgabe vom 26. Juni 1939 eine neue Landkarte, in denen die Grenzen weit über die in den dreißiger Jahren angestrebten hinausgehen. Die Karte ist ebenfalls beigefügt, sie zeigt den Verlauf der Grenze folgendermaßen: die gesamte Ostsee bis hinauf nach Kiel, quer durch Schleswig-Holstein bis Bremen, herunter über Hannover, Göttingen, Kassel, Fulda, Frankfurt/Main, Nürnberg. Dankenswerterweise hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung in der Nr. vom 31.08.1979 die polnischen Ansprüche durch Veröffentlichung dieser Karte in Erinnerung gebracht. (siehe Teil 2)

Und da bereits Deutsche versuchen, die als „Wendlande“ angesprochenen Gebiete Niedersachsens samt Lüneburg und Lüneburger Heide als slawisch zu bestätigen, werden eines nicht zu fernen Tages diese Gebiete rück geführt werden. Auch Schlesien ist ja rückgeführt worden, denn der Kardinal Wyszynski hat ausdrücklich in festgestellt:

 

Wenn wir umherblicken auf diese Gotteshäuser, wissen wir, daß wir nicht deutsches Erbe übernommen haben. Es ist nicht die deutsche, sondern die polnische Seele, die aus diesen Steinen spricht. Diese Gebäude haben hier gewartet, bis sie schließlich in polnische Hände zurückgekehrt sind.

 

Der Kardinal wußte, daß er log und daß alle Welt auch seine Lüge als solche erkennen mußte. Trotzdem log er. Doch bei uns gab es weder von kirchlicher noch von staatlicher Seite einen Aufschrei, ein Zurechtrücken der Lüge. Kommt hier nicht zum Ausdruck, daß der polnischen Kirche jede Lüge und Fälschung recht ist, wenn sie nur ihrem Ziele näher kommt? Hat sie nicht auch in ihrer sogenannten Versöhnungsbotschaft reichlich Lügen eingebaut? Ich erinnere an die infame Beschimpfung des Preußenkönigs durch die höchsten Repräsentanten der polnischen Kirche, als Friedrich dem sogenannten Großen, der für die erste Teilung Polens verantwortlich gemacht wird, obwohl Polen seit dem Zaren Peter dem Großen, also seit etwa 1700, unter russischer Herrschaft stand und gar kein freies Polen existierte, welches Friedrich d. Große hätte aufteilen können. Hat bei dieser sogenannten deutschen Teilung nicht Rußland 82%, Österreich 10% und Preußen nur 8% des Landes, und zwar seine alten preußischen Gebiete zurückbekommen? Wird nicht schon durch diese 82% für Rußland klar, wer die treibende Macht war?

 

Als Friedrich d. Große altes deutsches Land wieder in Besitz nahm, das nur zeitweise dem polnischen König unterstellt war, befreite er ein armes verelendetes Volk von der Leibeigenschaft und Knechtschaft einer machthungrigen und heruntergekommenen Adelsclique. Das Land, das der Preußenkönig wieder übernahm, hatte seit der Pest im Jahre 1709 bis zur Teilung 1772 wüst und brach gelegen und seine Menschen waren von dem hoffärtigen unmenschlichen Adel so drangsaliert und ausgebeutet worden, daß man ihnen den Namen „Volk“ nicht mehr beilegen konnte, daß sie deshalb die neue Herrschaft und Ordnung freudig begrüßten.

 

D a s ist die Wirklichkeit gewesen, die die polnischen Bischöfe heute in eine Anklage gegen Deutschland ummünzen, indem sie behaupten, daß:

 

„Sowohl die ökonomischen, geschichtlichen, religiösen Gesetze als auch die historische Gerechtigkeit verlangen, daß die wieder gewonnenen Westgebiete für immer bei Polen bleiben.“

 

Dies ist ein Ausspruch des ehemaligen Bischofs von Krakau Karol Wojtyla!

 

Worum es der polnischen Kirche geht, beweist ein weiterer Ausspruch des Kardinals und Primas von Polen, Stefan Wyszynski, den er 1965 tat:

 

Mit der Wiedergewinnung der polnischen Westgebiete, mit der Vernichtung des preußischen Staates und der Zerschlagung des Deutschen Reiches hat die Gegenreformation ihr Ziel erreicht.

 

Hier hat der Primas doch die Katze aus dem Sack gelassen. Und es ist nicht das Oberhaupt der polnischen Kirche allein, der dieses Ziel verfolgt. Der gesamte polnische Klerus leistet dabei Hilfe.

 

Dieser Ausspruch ist zugleich ein Beweis dafür, daß Polen ein abgestecktes Kriegsziel hatte und deshalb auch zum Krieg drängte.

 

Der Kardinal hatte vor längerer Zeit ein Interview im Österreichischen Fernsehen gegeben. Ihm war dabei der Vorwurf gemacht worden, daß die polnische Kirche sich nicht genügend für Polen eingesetzt habe. Darauf gestand der Kardinal, daß es während des Krieges nicht einen einzigen polnischen Priester gegeben habe, der nicht mit der Waffe in der Hand gekämpft hätte. Bedarf es noch eines Kommentars?

 

Das alles muß man bedenken, wenn deutscherseits die Frage behandelt wird, wer für den Ausbruch des 2.ten Weltkrieges die Verantwortung trägt. Unsere leichtgläubigen Deutschen können sich nicht vorstellen, welche Mittel unsere Widersacher einsetzen, um ihre Ziele zu verfolgen und zu erreichen. Bei uns hilft man kräftig mit beim Zerschlagen des Deutschen Reiches. In sämtlichen öffentlichen Medien sitzen die Helfershelfer. Wie wäre es sonst möglich, daß so viele Lügenfilme in den Fernsehprogrammen eingebaut werden?

 

Ich erwähnte bereits den dreiteiligen Film Narben, der angeblich eine bessere Verständigung zwischen deutschen und polnischen Danzigern herbeiführen sollte. Es war aber eine einzige Verleumdung der Deutschen und Reinwaschung der Polen.

 

Entlarvt aber wurden in der anschließenden Diskussion zwei Aussprüche der Polen. Den ersten habe ich schon genannt, er stammte von Prof. Markiewicz. Ich will ihn aber hier wiederholen, denn wir sollten ihn nicht vergessen und ganz besonders der Schulbuchkommission immer wieder ins Gedächtnis rufen:

 

Das Geschichtsbewußtsein des polnischen Volkes ist nicht geprägt von Historikern und Geschichtswissenschaftlern, sondern von seinen großen Dichtern und Schriftstellern Adam Mickiewicz und Henryk Sienkiewicz.

 

Ist das nicht die klarste Bestätigung dafür, was ich ausgeführt habe, daß es den Polen nicht um Wahrheit geht, sondern einzig und allein um die Festschreibung ihrer Wunschträume, damit ihre, und nur ihre Auslegung der Geschichte für alle Zeiten besiegelt wird. Diese Auslegung könnte dann immer wieder zu finanziellen und wirtschaftlichen Forderungen und Erpressungen herangezogen werden. Bei der Arglosigkeit der Deutschen und ihrer geringen Ausdauer im Kampf um eigene Rechte hoffen die Polen, ihre Ziele zu erreichen, so wie sie mit der Vernichtung Preußens und der Zerschlagung des Deutschen Reiches ihre Ziele bereits als erreicht verkündet haben.

 

Aber auch der Reporter Zdanowski hat die Katze aus dem Sack gelassen und die polnischen Ziele und den polnischen Charakter offenbart, als er feststellte:

 

„EIN KATHOLISCHER DEUTSCHER IST DOCH KEIN RICHTIGER DEUTSCHER!“

 

Diesen Satz sollte man mehrmals lesen und ihn nicht vergessen, denn hier kündigt sich das nächste Ziel der Polen an. Der ehemalige polnische Papst Karol Wojtyla hatte bereits von der Wiedererrichtung eines neuen Gottesstaates auf Erden gesprochen. Das kann nach seinem Selbstverständnis nur ein katholischer sein. Katholisch ist aber nach polnischer Auffassung das gleiche wie polnisch. Wenn ein katholischer Deutscher kein richtiger Deutscher ist, muß er folgerichtig ein Pole sein. So wie die Bamberger Katholiken restlos und zwangsweise durch Entzug der Sakramente und unter Anwendung anderer Druckmittel polonisiert wurden, so wird die Gegenreformation beim jetzigen Stand der Zerschlagung des Deutschen Reiches und der Vernichtung Preußens nicht Halt machen. Deutlicher konnten die Ziele gar nicht genannt werden. Die veröffentlichten Landkarten bestätigen nicht nur den Größenwahn der Polen, sondern daß die Polen nur benutzt werden von Mächten, die im Hintergrund stehen. Ein Volk, das in seinen Kirchengebeten um den großen Völkerkrieg betet, kann man sehr leicht zur Brandfackel machen. Umso mehr, wenn ein Sohn dieses Volkes, der auf den Stuhl Petris gehoben wurde, sich so weit vergißt, daß er bei einem Besuch seiner Landsleute in Castel Gandolfo, als diese voller Begeisterung und Inbrunst die berüchtigte „Rota“ sangen, hingerissen ins Mikrofon mit summte. Vielleicht war es auch die Antwort darauf, daß er aus der Umgebung des Vatikans gebeten worden war, die sichtliche Bevorzugung polnischer Pilger einzustellen. Die anwesenden deutschen Pilger haben mit Entsetzen das Mitsummen des Papstes gehört. Dadurch muß ganz Polen sich bestätigt fühlen in seinen Ansprüchen und Zielen. Ich bringe nachstehend den Text der „Rota“:

 

Wir lassen nicht vom Boden, sind sein Sohn.
Wir lassen unsere Sprach nicht sterben.
Wir sind der Polen Volk, Nation,
der königlichen Piasten Erben.
Verdeutschen soll uns nicht der Feinde Heer.
Dazu verhelf uns Gott der Herr!

Und bis zum letzten Atemzug
verteidigen wir Geistes Gut.
Bis sich zu Schutt und Staub zerschlug
der Kreuzritter böse Brut.
Des Hauses Schwelle sei uns Festungswehr!
Dazu verhelf uns Gott der Herr!

Nicht mehr wird der Deutsche uns spei’n ins Gesicht,
die Kinder uns nicht germanisieren.
Bald kommt der Waffen ehernes Gericht,
der Geist wird uns anführen.
Blitzt nur der Freiheit goldnes Horn – zur Wehr!
Dazu helf uns Gott der Herr!

 

Keine Dichtung hat eine so große Volkstümlichkeit erlangt, wie die heute noch gesungene „R o t a“ (der Eid). Ihre Urfassung richtete sich nicht gegen die Deutschen, sondern gegen die Russen. Maria Konopnicka hat sie etwa um 1908 gedichtet. Bei der Vertonung wurde sie auf die Deutschen umgemünzt und zum ersten Male bei der Einweihung des Grunwald-Denkmals in Krakau im Jahre 1910 gesungen. Nachher wurde sie das Kampflied der Pilsudski-Legionen. Und jetzt im Jahre 1981 wurde sie in Castell Gandolfo mit Begeisterung gesungen unter Mitwirkung des Papstes Johannes Paul II.

 

Welch seltsames Christentum wird uns hier vorgeführt. Am Sitz des Stellvertreters Christi auf Erden ertönen Haßgesänge, in die der Pontifix Maximus selbst mit einstimmt, sogar per Mikrofon, damit die Welt ihn hören kann. Ein ganzes Volk konserviert den unchristlichen Haß über die Jahrhunderte hinweg und lebt davon, es hält die Vertreibung von mehr als 15 Millionen Menschen aus ihren jahrhundertealten Heimstätten und dabei die Ermordung von mehr als 3,5 Millionen vor und nach dem Kriege für rechtens und kündigt den Raub weiterer Gebiete, und also weiterer Vertreibungen an. Zu gleicher Zeit erbitten diese „christlichen“ Vertreiber von den Vertriebenen Hilfe und geben vor, sie müßten auf den reichen und fruchtbaren Böden hungern, während aus Kartoffeln und Korn Wodka statt Lebensmittel produziert werden, während Bettelbriefe an alle möglichen Stellen gerichtet und selbst an völlig fremde Privatadressen geschrieben werden, während man Verständnis, Mitleid und christliche Nächstenliebe fordert, zahlt man mit Haß und Schimpf aus dem Domizil des Pontifex Maximus zurück. Christentum nach polnischem Verständnis!

 

Wird es nicht Zeit für uns Deutsche, daß wir das endlich begreifen?

 

All denen, die die grauenvolle Vertreibung von mehr als 15 Millionen Menschen aus ihren Heimatstätten schon vergessen haben oder gar behaupten, daß es eine „humane Umsiedlung“ war, gebe ich am Ende dieses Beitrages einen Beweis für das gemeinste Verbrechen des letzten Jahrhunderts. Es ist der mit dem polnischen Adler versehene Sonderbefehl der polnischen Regierung für die Austreibung der Bevölkerung der Stadt Salzbrunn, der für viele ähnliche steht.

 

Besonders dem ehemaligen Staatsminister Dr. von Dohnanyi sei dieser Beweis vorgelegt, der sich nicht geschämt hat, seinen vertriebenen und geflüchteten deutschen Volkszugehörigen aller Wahrheit zuwider ins Gesicht zu schleudern, daß sie niemand daran gehindert habe dort zu bleiben. Ihm sei gesagt, daß im umgekehrten Falle kein einziger Pole sich so erniedrigt hätte und den entmenschten Austreibern zuliebe von „humaner Bevölkerungsverschiebung und Umsiedlung“ gesprochen hätte.

 

Allen Deutschen sei daher ins Gedächtnis zurückgerufen das Urteil des Papstes Pius XII, der allerdings kein Pole war – über die Annektion deutscher Gebiete durch Polen. Dieses päpstliche Urteil lautete:

 

„Es ist das größte Verbrechen, 15 Millionen Vertriebene und über 3 Millionen Tote zu berauben.“

 

Dem ist nur noch hinzuzusetzen, daß dieses Urteil bestehen bleibt bis das Unrecht rückgängig und wiedergutgemacht ist.

 

Die gebürtige Engländerin Freda Utley, Dozentin und Zeitungskorrespondentin mit akademischen Auszeichnungen der Londoner Universität für Geschichte, war nach 1945 lange Zeit in Deutschland, um die Verhältnisse zu studieren. Sie hat in ihrem Buch „Kostspielige Rache“ auf Seite 162 eine Feststellung über die Deutschen getroffen, die es verdient, allen Deutschen ins Gedächtnis zurückgerufen zu werden:

 

„Die Kriegspropaganda hat die harten Tatsachen der Geschichte verschleiert, sonst müßten die Amerikaner wissen, daß die Deutschen – wenn überhaupt – keineswegs angriffslustiger sind als die Franzosen, Briten, Niederländer, die in Asien und Afrika Riesenreiche eroberten, während die Deutschen zu Hause blieben, Musik komponierten, Philosophie studierten und ihren Dichtern lauschten. Vor gar nicht so langer Zeit gehörten die Deutschen noch zu den friedfertigsten Völkern dieser Erde; sie könnten es wieder werden, wenn man ihnen eine Welt gäbe, in der es erlaubt wäre, im Frieden zu leben. Die Böcklers in Deutschland waren zwar im Irrtum, wenn sie glaubten, daß man von den Westmächten Zugeständnisse auf dem Verhandlungswege erringen könne, ihre Haltung beweist aber die Bereitschaft vieler Deutscher, sich bei der Verfolgung ihrer Ziele friedfertiger Methoden zu bedienen.“

 

Diese Friedfertigkeit darf nicht so weit gehen, daß wir alle unsere Rechte fahren lassen und uns nicht mehr zur Wehr setzen, wenn beutegierige Nachbarn einen immer größeren Hunger nach unserem Land zeigen und dabei die Geschichte so fälschen, als hätten die Deutschen tausend Jahre lang nichts geleistet und immer nur die armen und doch so edlen „Slawen“ überfallen und gemordet. Wehren wir endlich diese Lügen ab und hören wir auf, unseren schlimmsten Feinden immer wieder auf die Beine zu helfen, damit sie uns immer von neuem beschimpfen und bespucken können. Wir Deutsche haben keinen Grund, in Sack und Asche demütig am Boden zu liegen, wir können stolz auf unsere Vergangenheit sein, denn es gibt kein zweites Volk dieser Erde, das so unendlich viel der ganzen Welt gegeben hat.

 

Wie Geschichte gefälscht wird, erleben wir seit 1945 fast täglich. So wie jetzt, wurde sie auch früher gefälscht. Welch verheerende Folgen dabei für die Menschen gleichen Ursprungs und gleichen Blutes entstehen, haben wir erlebt und erlitten. Soll es auf friedlichem Wege zu einer Verständigung zwischen Deutschen und Polen kommen, muß die Vergangenheit restlos geklärt und in alle Volksschichten getragen werden. Nicht nur bei uns, auch drüben beim Nachbarn. Die ausschließlich vom Gefühl beherrschten Polen müssen endlich die objektive Geschichte zur Kenntnis nehmen und sie nicht einseitig zu ihren Gunsten und zu Lasten alles Deutschen auslegen. Jedes Volk braucht seine Geschichte und kein Mensch gedeiht ohne Vaterland. Daher ist auch das deutsche Volk verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, daß seine Geschichte nicht von Fremden verfälscht wird. Den polnischen Geschichtsfälschungen muß endlich Einhalt geboten werden, sie müssen zurückgenommen werden, um den Haß zu besiegen. Nur die Wahrheit kann Haß besiegen. Wenn sie noch so bitter ist, sie ist der einzige Weg, um die Zukunft zu gewinnen.

 

*  *  *

 

Festen Mut in schweren ,
Hilfe, wo die Unschuld weint,
Ewigkeit geschworen Eiden,
Wahrheit gegen Freund und Feind,
Männerstolz vor Königsthronen. –

Brüder, gält es Gut und Blut:
Dem Verdienste seine Kronen,
Untergang der Lügenbrut!

 

Friedrich von Schiller

 

Else Löser

 

 

Quellennachweis

Wilhelm Kammeier:                         Die Fälschungen der deutschen Geschichte
Lothar Greil:                                      Slawenlegende
Franz Wolff:                                      Ostgermanien
Richard Suchenwirth:                        Der Deutsche Osten
Rudolf Trenkel:                                 Der Bromberger Blutsonntag
Rudolf Trenkel:                                 Polens Marsch in den 2.ten Weltkrieg
Peter Aurich:                                     Der deutsch-polnische September 1939
Walther Steller:                                 Grundlagen der deutschen Geschichtsforschung
Kurt Relle:                                         Die unbewältigte Heuchelei
Freda Utley:                                       Kostspielige Rache
Wydawnyctwo Interpress:                POLEN

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Zu Teil 1

Zu Teil 2

Zu Teil 3

ENDE

Ubasser

 

 

5 Kommentare zu “Polen und die Fälschungen seiner Geschichte – Teil 4

  1. Hildesvin sagt:

    So bin ich (geworden): Den sogenannten Antisemitismus nehme ich nicht einmal den Polen übel.

  2. Waffenstudent sagt:

    Dr. Ewald Stefan Pollok – Polen unterstützte die Solution gegen Juden und wollte Hitler ein Denkmal bauen

    Ein am 31. März 1938 vom polnischen Parlament verabschiedetes Gesetz sah vor, allen polnischen Staatsbürgern, die länger als fünf Jahre ununterbrochen im Ausland lebten, die Staatsbürgerschaft zu entziehen, da jene, so wurde argumentiert, ihre Verbindung zur polnischen Nation verloren hätten. Das betraf im Deutschen Reich und in Österreich schätzungsweise 70.000 polnische Juden. Mit einem Erlaß von Anfang Oktober 1938 sollte das genannte Gesetz umgesetzt werden. Die polnische Regierung wollte mit allen Mitteln einer Massenausweisung aus dem Deutschen Reich zuvorkommen und forderte nun jeden polnischen Bürger im Ausland auf, sich bei dem für ihn zuständigen Konsulat zu melden, um seinen Pass mit einem Kontrollvermerk versehen zu lassen. Tat er das nicht, sollte der polnische Pass am 30. Oktober 1938 ungültig werden und sein somit staatenlos gewordener Besitzer die Berechtigung zur Einreise nach Polen verlieren. In Deutschland war es für Ausländer strafbar, keinen Pass zu besitzen.

    Der polnische Staat verweigerte Juden häufiger einen Paß oder erpresste sie bei der Antragstellung. In den vorangehenden zwei Jahrzehnten gab es immer wieder vereinzelte Fälle von Ausweisung polnischer Juden aus Deutschland. Polen lehnte aber immer häufiger die Aufnahme dieser Menschen ab. Beide Seiten, Deutschland und auch Polen, versuchten im Jahre 1938, “sich der ganzen Bevölkerungsgruppe zu entledigen”.1

    Mit der Annexion Österreichs am 12. März 1938 veränderte sich die Situation der im Reichsgebiet lebenden Juden entscheidend, da sie einen nachhaltigen Einfluss auf die Einwanderungspolitik vieler europäischer Staaten hatte. Nun, da Österreich nicht mehr als Zufluchtsort in Frage kommen konnte und gleichermaßen der nationalsozialistischen “Judenpolitik” unterlag, befürchteten die Nachbarstaaten des Deutschen Reiches einen noch größeren Zustrom jüdischer Emigranten, wovor sie sich durch Verschärfung der Einreisebestimmungen schützen wollten. Anders jedoch als in der Schweiz, Frankreich oder Großbritannien, richteten sich in Polen die Maßnahmen gegen eigene Staatsbürger, die sich außerhalb des Landes aufhielten.

    1931 lebten 3,1 Mio. Juden in Polen2, das waren 9,8 Prozent der Gesamtbevölkerung. Sie wurden wirtschaftlich und gesellschaftlich diskriminiert und fast gänzlich aus der Beamtenschaft ausgeschlossen, ab 1937 auch aus verschiedenen Berufsverbänden. An den Universitäten gab es gesetzlich keinen Numerus clausus, aber einen faktischen für Juden. Jüdische Studenten mussten während der Vorlesungen auf besonderen Bänken, Platz nehmen. Jüdische Kaufleute und Unternehmer wurden bei der Vergabe von Staatsaufträgen zurückgewiesen. Auch das Sonntagsruhegesetz trug zur weiteren Diskriminierung der Juden in Polen bei. Der jüdische Sabbat beginnt mit dem Sonnenuntergang am Freitag und endet mit dem Sonnenuntergang am Samstag. Folglich waren die Juden gezwungen, zwei Tage frei zu nehmen. Betriebe, in denen Polen und Juden arbeiteten, hatten keinen Grund mehr, Juden einzustellen. Die offizielle Politik und die Haltung des größten Teils der polnischen Gesellschaft waren antijüdisch. Die Gesellschaft in Ostpolen war traditionell überwiegend antisemitisch eingestellt. Als 1935 Marschall Józef Piłsudski starb, der die extremen Nationalisten immer in die Schranken verwiesen hatte, kamen Politiker an die Spitze, die die Juden als Fremdkörper in der polnischen Realität betrachteten.

    Der polnische Botschafter in Deutschland, Lipski, wurde von Hitler zu einem Gespräch am 20. September 1938 nach Berchtesgaden eingeladen. Während des Gedankenaustauschs bemerkte der Kanzler, dass Polen ein wichtiger Partner sei, denn es schütze Europa vor Russen und dem Kommunismus. Hitler sagte noch am Ende der Unterredung: “Zur gegebenen Zeit werde ich mich mit der Judenfrage beschäftigen.” Lipski antwortete, “Wenn Sie die Solution3 durchführen, werden wir Ihnen ein schönes Denkmal in Warschau hinstellen.”4

    Mitte der dreißiger Jahre verschärfte sich die Weltwirtschaftskrise auch in Polen und als Folge verschärfte sich der Antisemitismus. Im Osten Polens kam es immer häufiger zu Übergriffen nationalistischer Gruppen auf Juden. Zwischen 1935 und 1937 wurden vermehrt jüdische Geschäfte zerstört. Es gab tätliche Angriffe, bei denen 14 Menschen zu Tode kamen. Der Premierminister Felicjan Składkowski verurteilte 1936 dieses Verhalten im Sejm. Gewalt gegen Juden wäre nicht zu tolerieren, aber man dürfe ihre Geschäfte boykottieren. Kardinal August Hlond verurteilte körperliche Gewalt gegen Juden, da es eine Sünde sei. Aber auch er sprach sich für einen Boykott der jüdischen Geschäfte aus. In einem Hirtenbrief von 1938 schrieb er: “Kauft nicht bei Juden!” Die polnische Gesellschaft nahm die Juden als Ganzes wahr, nicht als Individuen. Besonders betroffen von antisemitischen Aktionen waren “vor allem die armen, kleinbürgerlichen Schichten, die nur schlecht polnisch sprachen und zur nicht jüdischen Bevölkerung Distanz wahrten. Diese Juden blieben Fremde, stets unter dem Verdacht, Geheimnisse zu verbergen oder die Rechtsordnung zu umgehen. In den weniger gebildeten Kreisen der polnischen Gesellschaft hielten sich düstere Vorurteile auf religiöser Grundlage”.

    Die polnische Regierung hatte schon seit 1936 geplant, die gesamte jüdische Minderheit zu enteignen und Entschädigungslos aus Polen zu vertreiben, gleichzeitig verfolgte sie einen Plan für Massenauswanderungen der Juden. Sie unterstützte zionistische Bewegungen in Palästina und “wünschte zum Zweck der Judenansiedlung auch Völkerbundsmandate für Kolonien”. Ebenso wurde Madagaskar als mögliches Ansiedlungsgebiet ins Auge gefasst. Unbesiedelte Teile der Insel sollten den Juden als Siedlungsgebiet zur Verfügung stehen. Dieses Konzept wurde später vom Generalgouverneur Hans Frank aufgegriffen.

    Während Mitte 1938 die NS-Regierung noch darüber nachdachte, wie man die im Lande verbliebenen polnischen Juden zu Ausreise veranlassen könnte, zogen es mehrere zehntausend Juden mit polnischem Pass vor, trotz der Nürnberger Rassengesetze nach Deutschland zu ziehen, um dort zu leben. Denn im Gegensatz zu Polen bildeten direkte Übergriffe auf Juden in Deutschland immer noch die Ausnahme. In Polen hingegen wurde in den dreißiger Jahren neben der deutschen und ukrainischen besonders die jüdische Minderheit terrorisiert. Dabei wurden in Polen allein 1935/36 mehr als 1.200 Juden verletzt und einige von ihnen sogar getötet. Im Unterschied zum deutschen Antisemitismus, der von oben verordnet war und bei der Bevölkerung in allgemeinen wenig Resonanz fand, kamen der polnische Deutschenhaß und Antisemitismus aus der Bevölkerung selbst und wurde von der Regierung stillschweigend geduldet.

    1937 erhielt Polen, das die Emigration der Juden vorantreiben wollte, von Frankreich die Genehmigung, eine dreiköpfige Prüfungskommission nach Madagaskar zu schicken, um Ansiedlungsmöglichkeiten für polnische Juden zu erkunden. Der Kommission gehörten Major Mieczyslaw Lepecki, Leon Alter, Direktor des Jüdischen Emigrationsverbandes (JEAS) in Warschau, und Salomon Dyk, Landwirtschaftsingenieur aus Tel Aviv an. Sie kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen: Lepecki war der Ansicht, dass man 40.000 bis 60.000 Juden ins Hochland Ansiedeln könnte. Nach Leon Alter hätten aber nur 2.000 Menschen auf der ganzen Insel Platz gehabt. Die Schätzungen von Salomon Dyk fielen sogar noch geringer aus. Obwohl die polnische Regierung das Ergebnis von Lepecki für zu hoch einschätzte und die madagassische Bevölkerung gegen eine Einwanderungswelle demonstrierte, setzte sie die Verhandlungen mit Frankreich fort. Neben der polnischen und der französischen Regierung erwogen auch die britische Regierung und sogar das Joint Distribution Committee (JDC), Juden in Madagaskar anzusiedeln.

    Anfang 1938, zehn Tage vor dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, wurde Adolf Eichmann mit der Sammlung von Material für eine „außenpolitische Lösung der Judenfrage“ beauftragt.5

    Der Vorschlag wurde während des Zweiten Weltkrieges von Winston Churchill erneut angesprochen, jedoch stand zu dieser Zeit bereits Palästina als künftiger Judenstaat fest.

    Die Abschiebung der Juden in eine afrikanische Kolonie erschien den Nationalsozialisten aus mehreren Gründen immer plausibler: Da sie mit einem baldigen Sieg über Frankreich und Großbritannien rechneten, spekulierten sie auf die Verfügungsgewalt über die französischen Kolonien und die britische Handelsflotte. Durch die Okkupation zusätzlicher westeuropäischer Gebiete gerieten hunderttausende Juden in den deutschen Einflussbereich, und die Umsiedlung einer halben Million Juden in ein „Judenreservat“ bei Lublin hatte sich inzwischen als unrealisierbar herausgestellt.

    Im Herbst 1938 griff der polnische Außenminister Beck zur Selbsthilfe und ordnete an, polnischen Staatsbürgern – gemeint waren die siebzigtausend in Deutschland lebenden Juden – ab Ende Oktober 1938 die Rückkehr nach Polen zu verweigern. Das aber wurde vom NS-Regime als Provokation angesehen. Es dachte nicht daran, den dauerhaften Aufenthalt der polnischen Juden in Deutschland zu dulden. Auf Befehl Himmlers wurde die Ausreise polnischer Juden nach Polen erzwungen. Polen dagegen ließ seine Staatsbürger nicht mehr einreisen, was zu einem Flüchtlingselend im deutsch-polnischen Niemandsland führte.

    Auch Józef Lipski, der polnische Botschafter in Berlin, beschrieb warum die polnischen Juden, die in Deutschland lebten, keine wirklichen polnischen Staatsbürger mehr seien. Er umreißt das Verhältnis zwischen diesen Juden und dem Staat Polen folgendermaßen:

    “Die Mehrheit der polnischen Juden kam schon in den Vorkriegsjahren nach Deutschland. Ihre Kinder sind also in Deutschland geboren und aufgewachsen und können daher kein Polnisch. Die Alten beherrschen zwar noch das Polnische, benutzen diese Sprache jedoch nicht mehr im täglichen Leben.”6

    Am 9. Oktober 1938 folgte eine Verfügung, nach der im Ausland ausgestellte Pässe ab 30. Oktober 1938 nur mit einem Prüfvermerk des polnischen Konsulats zur Einreise nach Polen berechtigten. Auf diese Weise wollte die polnische Regierung eine Massenausweisung nach Polen der im Deutschen Reich lebenden Juden polnischer Staatsangehörigkeit verhindern.

    Die polnische Regierung wurde am 26. Oktober ultimativ aufgefordert, die Inhaber polnischer Pässe auch künftig ohne Sichtvermerk einreisen zu lassen; andernfalls werde man die polnischen Juden noch vor Inkrafttreten des Gesetzes abschieben.

    Staatssekretär Ernst von Weizsäcker drückte gegenüber dem polnischen Botschafter Józef Lipski die Befürchtung aus, dass “uns im Wege der Ausbürgerung ein Klumpen von 40-50 Tausend staatenlosen ehemaligen polnischen Juden in den Schoß fiele”.

    Als der Erlass über die deutsche Botschaft in Warschau auch in Berlin bekannt wurde, erhielten kurz darauf tausende polnischer Juden im Deutschen Reich ab dem 27. Oktober 1938 einen Ausweisungsbefehl, wurden verhaftet und mit größter Eile entweder zu Fuß oder in Sammeltransporten zur polnischen Grenze abgeschoben.

    Wie konnte es dazu kommen, dass 70.000 Menschen abgeschoben wurden und größtenteils für ein halbes Jahr im Niemandsland leben mussten? Beide Staaten, Polen und Deutschland, wollten sich durch ihre Gesetzgebung und Aktionen der polnischen Juden, die in Deutschland lebten, entledigen.

    Die “Polenaktion” vom 27. bis 28. Oktober 1938 war die erste Ausweisaktio der nationalsozialistischen Regierung. Dies war eine Reaktion auf das Märzgesetz Polens von 1938. Durch dieses hätten ca. 70 000 polnische Juden, die in Deutschland lebten, ihre Staatsangehörigkeit verloren und hätten in Deutschland bleiben müssen. Dies wollte die deutsche Regierung nicht hinnehmen und ließ die Juden an die deutsch-polnische Grenze bringen. Dort lebten ca. 8 000 Menschen im Niemandsland unter katastrophalen Bedingungen, da sich die polnische Regierung weigerte sie übernehmen. Die Ausweisung und Verweigerung der Übernahme polnischer Juden wird in der Literatur im Zusammenhang mit dem Pogrom gegen die Juden vom 9. und 10. November 1938, der “Reichskristallnacht”, genannt.

    Da die Anordnung zur Zwangsausweisung der polnischen Juden nicht alle Reichsteile zeitgleich erreichte, variierte das Abschiebedatum je nach Wohnort zwischen dem 27., 28. oder 29. Oktober 1938. Ferner ließ der Erlass den Behörden vor Ort einen gewissen Interpretationsspielraum, so dass sich nicht nur die Art und Weise der Durchführung reichsweit unterschied, sondern auch die Entscheidung darüber, wem die Ausweisung drohte. Waren es in einer Stadt bzw. Region ganze Familien, die von der Polizei aus ihren Wohnungen geholt wurden, traf es andernorts nur die männlichen Mitglieder eines Haushaltes. Erreichte die Ausweisung einmal nur polnische Juden, die das 18. Lebensjahr vollendet hatten, so wurden an anderer Stelle auch Klein- und Kleinstkinder abgeschoben.

    Entsprechend dem Streckenverlauf des deutschen Eisenbahnnetzes gelangten die Sammeltransporte vor allem an drei Grenzorte mit Bahnanschluss. Neben der bereits erwähnten Stadt Bentschen gingen größere Transporte nach Konitz (heute Chojnice) in Pommern und Beuthen (heute Bytom) in Oberschlesien.

    Ein einheitliches Bild der Abschiebung lässt sich somit nicht entwerfen. Es wäre daher für die Zukunft um so wichtiger, den Ablauf und die Zahl der Betroffenen für jede Region im Einzelnen zu erforschen bzw. aufzuarbeiten.

    Ein Teil der polnischen Quellen, die die „Polenaktion“ betreffen, wurde in den Jahren 1984-1985 in der jüdisch sprachigen Wochenzeitung „Folks-Sztyme“ in Polen veröffentlicht, einige andere Fragen in Artikeln verschiedener Fachzeitschriften angesprochen.

    Obwohl diese Aktion überraschend kam, konnte die Polizei nur einen Teil der polnischen Juden festnehmen und abschieben; einige wurden nicht in der Wohnung angetroffen, mussten wegen Krankheit oder Gebrechlichkeit zurückgelassen werden oder konnten sich versteckt halten. 17.000 polnische Juden wurden mit Sonderzügen über die Grenze vor allem bei Zbąszyn (Bentschen), Chojnice (Konitz) in Pommern und Bytom (Beuthen) in Oberschlesien abgeschoben.

    Die Zwangsausweisung kam für die polnischen Grenzbehörden überraschend, so dass sie unter den gegebenen Umständen völlig überfordert waren und je nach Ort unterschiedlich agierten. An manchen Grenzorten konnten die Ausgewiesenen ungehindert weiterreisen, ohne namentlich erfasst zu werden. In Zbąszyn wurde der Versuch unternommen, die abgeschobenen Personen zu registrieren bzw. ihre Pässe zu kontrollieren. Viele von ihnen konnten innerhalb der ersten zwei Tage in das Landesinnere weiterreisen. Diejenigen allerdings, die in Polen keine Familienangehörigen bzw. Bekannten hatten, bei denen sie unterkommen konnten, und diejenigen, denen man die Einreise verweigerte, wurden in Zbaszyn interniert.

    Bereits am 31. Oktober 1938 begann die polnische Polizei damit, die Stadt weiträumig abzusperren. Sie einquartierte die Mehrzahl der Betroffenen in der alten Kaserne mit den dazugehörigen Ställen ein und erlaubte die Abreise fortan nur noch unter bestimmten Voraussetzungen. Diese waren erfüllt, wenn der Betroffene nachweisen konnte, dass er in Polen entweder bei Familienangehörigen bzw. Bekannten unterkommen würde oder entsprechende Papiere für eine bevorstehende Emigration besaß. Auch finden sich Fälle, in denen die Betroffenen kurzzeitig in das Deutsche Reich zurückkehren durften, um dort ihren Haushalt aufzulösen und ihre Vermögensverhältnisse zu klären. Im Anschluss daran wurden sie aber wieder nach Polen ausgewiesen.

    Der Verbleib der in Bentschen internierten Menschen hing also von verschiedenen Faktoren ab. Konnten sie Bentschen nicht auf irgendeinem Wege vorzeitig verlassen, verblieben sie dort bis zur allmählichen Auflösung des Lagers im Sommer 1939. Für die davon Betroffenen lag dem Bundesarachiv eine Namenliste aus dem Archiv des American Joint Distribution Committee in New York vor.

    Zwischen Polen und der deutschen Regierung kam es zu einer Einigung. Die im Flüchtlingslager wartenden Juden durften nach Polen zurückkehren. Für die Zukunft sollten aber monatlich nur noch etwa einhundert die Einreiseerlaubnis erhalten. Einige tausend polnische Juden, denen Warschau die Staatsbürgerschaft bereits vor ihrer Ausreise aberkannt hatte, mussten in Deutschland bleiben.7

    Des Weiteren befand sich ein polnischer Jude namens Zindel (Sendel) Grynszpan, Schneidermeister aus Hannover, nebst Angehörigen bei den Deportierten. Herschel Grynszpan, sein 17 jähriger Sohn, war mit einem polnischen Pass aus Deutschland nach Frankreich ausgereist. In Frankreich erhielt er keine Aufenthaltserlaubnis, England verweigerte die Weiterreise nach Palästina. Als auch eine Rückreise nach Deutschland nicht mehr möglich war und die französische Regierung ihn nach Polen ausliefern wollte, kaufte der mittellose (!) Grynszpan einen Revolver und schoss am 7. November 1938 damit nicht etwa auf einen hauptschuldigen Vertreter der polnischen Regierung, sondern auf den 3. Sekretär der deutschen Botschaft, Legationsrat Ernst Eduard vom Rath, der am 9. November verstarb.

    Die Nationalsozialisten nahmen dies zum Anlass, in der folgenden Nacht die Novemberpogrome 1938, die sogenannte „Kristallnacht“, auszulösen.

    Diese verkürzte Darstellung wird dem Ausmaß der Vorgänge im Oktober 1938 jedoch nicht gerecht. Um dem Ablauf der “Polenaktion” selbst mehr Aufmerksamkeit zu widmen und das Schicksal der betroffenen Personen nachvollziehen zu können, ist es zunächst einmal unerlässlich, die Namen der Betroffenen herauszufinden, die derzeit nicht einmal zur Hälfte überliefert sind, je nachdem, von wie vielen abgeschobenen Personen ausgegangen wird.

    Anhand der verschiedenen genannten Quellen – neben der Bentschenliste vor allem Quellen mit regional geschichtlichem Hintergrund – konnte das Bundesarchiv inzwischen ca. 7.000 Personen ermitteln, die Ende Oktober 1938 von der Zwangsausweisung nach Polen betroffen waren. Für ca. 4.800 von ihnen ließ sich der Ort Bentschen (Zbaszyn), der durch die weiteren Ereignisse in der Presse schon seinerzeit große Aufmerksamkeit erregte, als Grenzübergang nachweisen. Zeitzeugen sprachen von chaotischen Zuständen. Mehrere tausend Menschen irrten im Niemandsland umher, drängten sich auf dem Bahngelände, hausten im Stationsgebäude oder auf nahe gelegenen Plätzen in der polnischen Grenzstadt Bentschen sowie auf den die Stadt umgebenden Wiesen. Das alles kam für die polnischen Behörden überraschend, so dass sie unter den gegebenen Umständen völlig überfordert waren.

    Eine der umfangreichsten Quellen, die besondere Aufmerksamkeit verlangt, ist die beim Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen aufbewahrte Namen liste mit Opfern der “Polenaktion”, die über Bentschen abgeschoben wurden. In der Datenbank wurde ihr Schicksal in der Rubrik Abschiebung mit dem Datum “28.10.1938” und dem Zielort “Bentschen (Zbąszyn)” angegeben, sofern durch ergänzende Quellen kein abweichendes Abschiebedatum ermittelt werden konnte.

    ——————

    Weitere Quellen: Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945. Band 2: Deutsches Reich 1938–August 1939 (hrsg. von Susanne Heim), München 2009, ISBN 978-3-486-58523-0, S. 52; Aufzeichnung des Staatssekretärs vom 8. November 1938, zitiert nach: Die Verfolgung und Ermordung…, Bd. 2, S. 52 mit Anm. 136; Hans-Jürgen Döscher: “Reichskristallnacht” – Die Novemberpogrome 1938. München 2000, ISBN 3-612-26753-1, S. 57; Die Verfolgung und Ermordung…, Dokument 112, S. 322 ; Rita Thalmann, Emanuel Feinermann: Die Kristallnacht. Hamburg 1993, ISBN 3-434-46211-2, S. 38.

    1 Trude Maurer, Abschiebung und Attentat. Die Ausweisung der polnischen Juden und der Vorwand dafür.

    2 Nach Atlas der Weltreligionen, Oxford University Press, 2000, S. 132 waren es 3.275.000 und nach der Encyklopedia PWN, Krakau 2006, Band 20, S. 705, waren in Polen “ungefähr 3.0 mln Juden”, Wielka Encyklopedia Powszechna PWN, Warschau 1967, Band 12, S. 876, schreibt von 3,0 Millionen Juden.

    3 Solution, nach dem Wörterbuch Lateinisch-Deutsch, Langenscheit, 2008, s. 742: „Lösung der Frage oder Problems“ und auch Auflösung.

    4 S. Zerko, Stosunki polsko-niemieckie 1938-1939, Instytut Zachodni Poznan, 1998 S. 83, w tym miejscu pisze Lipski: “(…) w tym pukcie mu odpowiedziałem, że jeśli znajdzie solucję, postawimy mu piękny pomnik w Warszawie”.

    5. H. Meiser, Völkermorde vom Altertum bis zur Gegenwart, Grabert, 2000, S. 263.

    6. Thomas: Der Verlust. Die Vertreibung der Deutschen und Polen im 20. Jahrhundert, Bonn.

    7 H.Meiser,Völkermorde vom Altertum bis zur Gegenwart, Grabert 2009, S. 268.

    Quelle: http://www.silesia-schlesien.com/index.php?option=com_content&view=article&id=310:dr-ewald-stefan-pollok-&catid=38:beitraege

  3. neuesdeutschesreich sagt:

    Hat dies auf neuesdeutschesreich rebloggt.

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