Schäubles Irrlichter in Absurdistan

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25. November 2013 von UBasser


von fortunato (fortunanetz)

Neuerdings erklärt Wolfgang Schäuble, Finanzminister der BRD, wieder einmal die Krise für beendet. Das tut er nun zum wiederholten Mal. Und natürlich traut er sich, noch etwas mehr dazu zu sagen. Er produziert zudem die wahre Aussage, dass Griechenland niemals aus dem Euro austreten wird. Wie sehr er mit dieser Aussage Recht hat werden wir noch sehen. Das werden wir noch näher beleuchten.

Der zentrale Punkt in Schäubles wahrhaft erstaunlichen Äußerungen ist, dass Griechenland, wie angekündigt, erstmalig einen sogenannten Primärüberschuss produziert hat.

Damit meldet Schäuble Vollzug in Bezug auf den vom griechischen Finanzminister Stournaras im Mai diesen Jahres angekündigte Primärüberschuss. Und schon ertönt Triumphgeschrei! Dabei besagt der Primärüberschuss nicht mehr und nicht weniger als dass die Einnahmen und Ausgaben des Griechischen Staates ohne Zinsen gerechnet, einen Überschuss erzeugen. Also Steuern weniger Staatsausgaben ohne Zinsen sind im Plus. Erstmalig!

Damit endet für die EU der Zwang, den griechischen Staat direkt mit Geldtransfers alimentieren zu müssen. Wohlgemerkt sprechen wir hier nicht davon, dass die EU die Zinsen bezahlt, sie bezahlt den griechischen Staat selbst, weil dieser in der jüngeren Vergangenheit kein Geld mehr auf dem Kapitalmarkt bekam. Dies war so, weil er keinen Primärüberschuss in seinem Staatshaushalt nachweisen konnte. Griechenland ging es so schlecht, dass sie nicht nur sämtliche Zinsen nicht mehr bedienen konnten, sondern dass die Steuereinnahmen nicht mehr ausreichten, Beamtenschaft und öffentliche Dienste vollständig bezahlen zu können und sie kein Geld mehr auf dem Kapitalmarkt mehr bekamen.

Theoretisch kann Griechenland nun seinen Staat wieder dadurch finanzieren, dass das Land Anleihen am Markt platzieren kann und auf Direkthilfe von anderen Ländern nicht mehr angewiesen ist. Theoretisch. Und schon ruft Schäuble das Ende der Krise aus! Aber dabei wird doch manches übersehen. Schließlich änderte sich die Welt seit unserem Artikel aus dem Mai 2013 nicht sonderlich. Griechenland hat nach wie vor die zweithöchste Staatsschuldenquote weltweit. Die gesamte Volkswirtschaft verharrt in ihrem Volumen (gerechnet nach BIP) weiterhin auf dem Niveau von 1978. Von einer Aufholjagd kann nun wirklich nicht die Rede sein, geschweige denn von einer Wiederherstellung der Verhältnisse vor 2008. Stattdessen hat das Land eine Jugendarbeitslosigkeit von rund 60 Prozent. Bei den Griechen sind die Pleiten dieses Jahres noch lange nicht verdaut. Das Land liegt in wirtschaftlicher Agonie. Die zum Teil gewalttätigen Demonstrationen im Land die ein Ende der Bevormundung durch die EU-Troika und den IWF fordern hält Schäuble vermutlich für hoffnungsvolle Signale…. Man weiß wirklich nicht, ob man lachen oder weinen soll, wenn man diese wahrhaft groteske Situation in Griechenland betrachtet. Es ist einfach eine durch und durch absurde Situation. Und in dieser Situation irrlichtert Schäuble: Die Krise ist vorbei!

Aber mit der zweiten Aussage hat Schäuble natürlich Recht! Griechenland wird den Euro unter keinen Umständen verlassen. Es wird sich mit Händen und Füßen dagegen wehren, aus der Eurozone heraus gedrängt zu werden, obgleich der Euro ein Mühlstein am Hals der Griechen ist, der sie zwingt, im Inneren abzuwerten, weil eine äußere Abwertung wegen des Euro gar nicht möglich ist. Verbleibt Griechenland im Euroraum, so wird der Binnenmarkt auf unabsehbare Zeit nicht auf die Beine kommen. Würde das Land aber aus dem Euro austreten, dann wäre eine akut schlimmere Situation entstanden.

Erstens würde Griechenland dann keine Gelder aus dem ESM mehr bekommen können und auch nicht aus der noch zu etablierenden Bankenunion.

Zweitens müsste Schäuble dann die Hilfsgelder direkt transferieren ohne das Deckmäntelchen ‘Eurorettung’.

Natürlich käme Griechenland dann nicht mehr in den Genuss der billigen Kredite die sich am Leitzins der EZB orientieren, sondern das Land müsste exorbitante Zinsen zahlen, weil es mit einer Staatsschuldenquote von gut 170 Prozent nur noch von Japan getoppt wird. Aber Japan hat Industrie und ist ein reiches Land, das zwar unter diesem Schuldenberg ächzt aber nicht zusammen bricht. Griechenland hingegen würde in eine sehr schnelle Schuldenspirale geraten, wenn es hohe Zinsen entsprechend seiner Verschuldung bezahlen müsste. Ein Totalabsturz wäre vorprogrammiert. Ein weiterer ‘haircut’ zwingend notwendig.

Und so werden die griechischen Politiker einen Teufel tun und den Euroraum verlassen. Absurdistan muss weiterleben! Und sie wissen auch genau, dass die EU hofft, dass Griechenland weiterhin im Euroraum bleibt, einerseits weil sonst direkte Zahlungen an Banken fällig werden, die schon geflossenen Gelder nie mehr zurück kommen, die Euroretter ihr Gesicht verlieren und der Euroraum in Gefahr geriete weil noch eine ganze Reihe weiterer Länder in einer ähnlichen Lage ist. Und deshalb wissen griechische Politiker ganz genau, sie haben Druckmittel gegen die Troika und beginnen nun, nicht mehr weiter zu sparen.

Und sie liebe Leserinnen und Leser werden das alles bezahlen, ob sie wollen oder nicht,

meint
fortunato

gefunden bei: Krisenfrei

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Ubasser

2 Kommentare zu “Schäubles Irrlichter in Absurdistan

  1. neuesdeutschesreich sagt:

    Hat dies auf neuesdeutschesreich rebloggt.

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