Realitäten im Dritten Reich – Teil 9 – Deutscher Sozialismus

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6. Dezember 2013 von UBasser


Von Hans Kehrl

Als die NSDAP unter dem Namen „Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei“ gegründet wurde, geschah das zweifellos im bewußten Gegensatz zum internationalen Marxismus und besonders auch unter scharfer Ablehnung von dessen Grundidee, nämlich der Notwendigkeit des Klassenkampfes. An seine Stelle sollte der „Deutsche Sozialismus“ treten, der keine Apparatur, kein Programm, sondern eine Gesinnung war. Im Brockhaus Ausgabe von 1923 ist das Stichwort „Sozialismus“ wie folgt formuliert :

„Der Inbegriff der weltanschaulichen und ökonomischen Theorien und praktischen Maßnahmen, die eine neue Lebens- und Wirtschaftsordnung unter stärkster Betonung der Wirtschaftsidee erstreben, im Gegensatz zu den individualistischen Auffassungen von Wirtschaft und Gesellschaft.“

Genau das war die vage Idee des deutschen Sozialismus. Hitler rief nicht zum Kampf aller gegen alle auf, sondern zur Volksgemeinschaft „aller Deutschen „. Dem Klassenkampf von rechts und links galt sein politischer Kampf. Das bald eingeführte Wort vom „Arbeiter der Stirn und der Faust“ sollte eine Kluft zwischen Handarbeitern und geistig Arbeitenden schließen und das soziale Empfinden des Volkes ansprechen. Staat und Partei aber sollten die Aufgabe und die Pflicht haben, im Auftrag des Volksganzen den Schwachen im Volke zu helfen, sich selbst zu helfen. Mit dieser Zukunftsvision, gepaart mit der Forderung nach der Befreiung vom Versailler Diktat, wurde Hitler Führer einer Massenbewegung und schließlich Kanzler des deutschen Reiches. Von Gregor Strasser, dem Fraktionsvorsitzenden der NSDAP im Reichstag, stammt dazu das Wort von der „antikapitalistischen Sehnsucht des deutschen Volkes“ (so Gauleiter Jordan in seinem Buch „Im Zeugenstand der Geschichte“). Diese „antikapitalistische Sehnsucht“ erfüllte nach meiner Kenntnis auch die überwältigende Mehrheit der für das innenpolitische Geschehen stark bestimmenden Gauleiter sowohl nach ihrem Werdegang, als auch nach ihren Lebenserfahrungen. Insoweit würde man die NSDAP nach heutigen Vorstellungen zweifellos als „Linke“ einstufen, mindestens als „links von der Mitte“ eingruppieren.

In der Zeit zwischen der Machtübernahme und der ersten Reichstagswahl im Dritten Reich, im März 1933, stellte Keppler an Hitler die Frage , ob es nicht an der Zeit sei, den Namen der Partei zu ändern, nachdem doch jetzt von der Partei das ganze deutsche Volk angesprochen würde und die Mitglieder zu einem sehr hohen Anteil aus der Landwirtschaft und dem kleinbürgerlichen Mittelstande stammten. Hitler wies das ohne Besinnen zurück. Der Name der Partei solle und müsse so bleiben, wie er jetzt laute: Arbeiterparteim, nicht „Partei der Arbeiter“! Das bedeutete für die Arbeiter – und das sei gut so. Es müßten sich alle Nationalsozialisten immer wieder einprägen, daß die Arbeiter am meisten der Hilfe der Partei bedürften. Die übrigen Berufsgruppen könnten sich schon eher selbst helfen.

Nach dem 30. Januar 1933 wurde nur wenig Zeit verloren, um die Grundgedanken einer Beendigung des Klassenkampfes durchzusetzen. Die Organe des Klassenkampfes, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände, wurden aufgelöst. Der traditionelle Feiertag der Werktätigen, der 1. Mai wurde im Jahr 1933 als Tag der „nationalen Arbeit “ zu einem Feiertag des ganzen Volkes erklärt. Die Beziehungen zwischen Unternehmern und Betriebsangehörigen wurden sehr bald durch das „Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit“ auf eine ganz neue Basis gestellt und ein staatlicher Schutz für die Arbeiter durch das „Gesetz über die Treuhänder der Arbeit“ geschaffen.

Da heißt es in § 3:

„Bis zur Neuordnung der Sozialverfassung regeln die Treuhänder anstelle der Vereinigungen von Arbeitnehmern, einzelnen Arbeitgebern oder der Vereinigung von Arbeitgebern für die beteiligten Personen die Bedingungen über den Abschluß von Arbeitsverträgen […] Im übrigen sorgen die Treuhänder für die Aufrechterhaltung des Arbeitsfriedens.Sie sind zur Mitarbeit und einer neuen Arbeitsverfassung berufen.“

Die Treuhänder der Arbeit wurden im wesentlichen nicht als Berufsbeamte bestellt, sondern als Persönlichkeiten von bewährter sozialer Gesinnung und Vergangenheit. Im folgenden Jahr wurde das „Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit“ und auch das „Treuhändergesetz“ geschaffen. Im übrigen wurde die Durchführung des deutschen Sozialismus, so möchte ich das nennen, von Adolf Hitler dem Robert Ley, Reichsorganisationsleiter der NSDAP, übertragen, indem er ihn mit der Schaffung der deutschen Arbeitsfront als Nebenorganisation der NSDAP beauftragte. „Betriebsführer“ und „Arbeitnehmer“ sollten in gleicher Weise Mitglied der DAF sein. Über Robert Ley schreibt Joachim C. Fest in seinem Buch „Das Gesicht des Dritten Reiches“:

“Die Erscheinung Robert Leys hingegen, in ihrem zugleich schwächlichen, verstiegenen und derben, insgesamt aber dürftigen Zuschnitt legte den Verzicht auf einen zusätzlichen Beitrag um so eher nahe, als die persönlichen Strukturen sich in diesem Fall mit denen einiger Partner aus dem Gefolge Hitler weitgehend decken.“

Die Bemerkung zeugt von einer völligen Unkenntnis der Wirklichkeit des Dritten Reiches und wahrlich nicht nur in diesem Falle. Robert Ley war eine der bedeutendsten, eigenständigen Persönlichkeiten im Dritten Reich; von großem Ideenreichtum, großer motorischer , schwer zu bremsender Durchsetzungskraft und einem nie erlahmenden Idealismus und Willen, dem deutschen Arbeiter in seiner Gesamtheit zu einem besseren Leben zu verhelfen, so weit es nur irgendwie in seiner Macht stand. Insoweit war er der Ideenträger des „deutschen Sozialismus“ schlecht hin.

Die DAF vermochte mit der Autorität einer Parteiorganisation das an Lohn für die Arbeiter zu erkämpfen, was im Frieden betrieblich, gesamtwirtschaftlich und im Rahmen der erstrebten Preisstabilität irgend möglich war. Dabei nahmen zunehmend neben der Lohnhöhe selbst im Laufe der Jahre umfangreiche Nebenleistungen der verschiedensten Art einen besonderen Raum ein.

Im folgenden soll nur ein kurzer Überblick gegeben werden durch ein Zitat aus der Schriftenreihe der Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte Nr. 19 von Peter Hüttenberger „Die Gauleiter“ – eine in jeder Beziehung sorgfältig recherchierte und objektiv wertende historische Arbeit:

Die Übernahme der Gewerkschaftsvermögen und das Einkommen der Mitgliedsbeiträge machten die DAF zu einer außerordentlich finanzstarken Organisation. Als „angeschlossener Verband“ der NSDAP besaß sie im Gegensatz zu den Gliederungen der NSDAP eigenes Vermögensrecht. Der Reichsschatzmeister der NSDAP hatte nur bestimmte Aufsichts- und Revisionsvollmachten, war aber nicht Verwalter des DAF – Vermögens. Mit ihren (1938) rund 23 Millionen Mitgliedern war die DAF zahlenmäßig fast fünfmal so stark wie die NSDAP und während viele NSDAP Gaue in den ersten Jahren des Dritten Reiches noch immer verschuldet waren, konnte die DAF eigene Banken und potente wirtschaftliche Organisationen errichten und ihren Einfluß kontinuierlich ausdehnen.

Ley, dem Gauleiter Wahl „krankhafte Organisationswut“ nachsagte und der tüchtige Organisatoren wie Selzner zur Seite hatte, baute ab Januar 1934 das Reichsheimstättenamt auf, das bis 1936 über 200.000 Bauprojekte in Angriff nahm. Die DAF errichtete zahlreic he Schulen und Werkstätten für Berufserziehung und Umschulung, in denen nach Aussagen Leys bis 1936 250. 000 Lehrkräfte beschäftigt und 2,5 Millionen Arbeitnehmer geschult wurden. Sie organisierte die Reichsberufswettkämpfe! Und gab in eigenen Verlagen 88 Fach- und Berufszeitschriften mit einer Gesamtauflage von 10 Millionen Exemplaren, außerdem eine Reihe von politisch propagandistischen Zeitschriften heraus (‚Arbeitertum‘, ‚Schönheit der Arbeit ‚, ‚Der Aufbau ‚).

Sie überwachte und leitete Einrichtungen zur Förderung der Volksgesundheit, das Riesenunternehmen ‚Kraft durch Freude‘, baute Tausende von Grünanlagen, Hunderte von Sportplätzen und Schwimmbädern, unterhielt eigene Theater, ein Reichssymphonieorchester usw., besaß ein Volksbildungswerk und einen sogenannten ‚Arbeiterdank‘ zur Betreuung von Wehrmachtreservisten. Zur Schulung der eigenen Funktionäre betrieb die DAF 9 Reichsschulen und 40 Gauschulen. Sie finanzierte auch die Parteischulen in den ‚Ordensburgen‘ Vogelsang, Sonthofen und Grössinsee, die Ley in seiner Eigenschaft als Reichsorganisationsleiter der NSDAP unterstanden. Letztere waren ein Beispiel dafür, daß die Mittel und der Apparat der DAF auch dem Reichsorganisationsleiter zugute kam und dessen Stellung stärkten.“

Bemerkung: Dieser Beitrag ist von den offiziellen Seiten verschwunden. Wer noch Quellen kennt, kann sie im Kommentarbereich veröffentlichen!

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Ubasser

Ein Kommentar zu “Realitäten im Dritten Reich – Teil 9 – Deutscher Sozialismus

  1. […] Hans Kehrl – Erstveröffentlicht bei morbusignorantia – Mein Dank an Frank für den Hinweis, sagt Maria […]

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