Morbus ignorantia – Die Krankheit Unwissen

“Wenn die Deutschen zusammenhalten, so schlagen sie den Teufel aus der Hölle!” Otto von Bismarck

Die aktuelle Hitler-TV-Woche vom 27.01. bis 02.02.14


Die aktuelle Hitler-TV-WocheZunächst eine Vorschau: Es kann nur eine Frage der Zeit sein, bis das bahnbrechende Theaterstück „Anni kämpft gegen Hitler“ verfilmt wird. Historisch absolut akkurat bringt uns das Werk das Leben von Anni nahe, die 1933 9 Jahre alt ist und flugs einer Widerstandsgruppe gegen Hitler beitritt. Leider wird sie von den Nazis geschnappt und ins Konzentrationslager gebracht, wo es „jeden Tag um das nackte Überleben geht.“ Bisher kamen nur die Schüler der 8.9. und 10. Klassen der Spantekower Regionalschule in Ostvorpommern in den Genuß dieser mitreißenden Geschichte, aber warum nur sie? Ganz Deutschland muß dieses bisher leider übersehene, aber sicherlich wahre Drama nahe gebracht werden. Im Kino, auf DVD, Blue-Ray und natürlich auch als Musical. Nur die Hauptfigur sollte man vielleicht umbenennen, „Anni“ erinnert doch zu sehr an Anne Frank. Das könnte Copyright-Ärger geben.

Am Montag ist offizieller Holocaust-Gedenktag. Mittlerweile wird er genauso mechanisch abgespult wie alles in diesem Land. Vor Weihnachten läuft immer „der kleine Lord“ irgendwo, und am Holocaust-Gedenktag werden stets die gleichen Konserven hervorgeholt, während gelangweilte, betroffen tuende Politiker immer die gleichen Reden halten.

Der NDR überrascht nicht mit „Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben“ ab 23.45 Uhr, der MDR zeigt ab 22.50 Uhr „Was heißt Dachpappe auf hebräisch“ und ab 23.20 Uhr das Holocaust-Drama „Ein Leben für ein Leben –Adam Hundesohn“, der Bayrische Rundfunk erzählt vom „Mühldorfer Todeszug“ ab 20.15 Uhr und ab 23.10 Uhr von Theresienstadt, und der Hessische Rundfunk bringt ab 1.20 Uhr das britisch-russische Kriegsdrama „Das Lager –Wir gingen durch die Hölle“. 3sat steuert ein weiteres Holocaust-Drama bei, „Die Grauzone“ ab 23.10 Uhr, NT-V wiederverwertet ab 20.05 Uhr bis 22.45 Uhr und dann noch mal ab 23.05 Uhr „die Chroniken des Dritten Reiches“, N 24 beleuchtet ab 16.05 Uhr erneut „den Zweiten Weltkrieg aus dem All“. Bei Phönix gibt es ab 8.15 Uhr „den Kampf um Leningrad“.

Auf Tagesschau 24 erwartet alle, die nie genug kriegen können, ab 21.17 Uhr „Auschwitz vor Gericht“. Für ein bißchen Auflockerung sorgt ab 6.00 Uhr und dann noch ein Mal ab 15.00 Uhr ZDF INFO mit Klatsch aus Hitlers Schlafzimmer, sprich „Hitlers Frauen“. Wie paßt das bitte ins Holocaust-Gedenken? Egal. Es gibt ja auch noch „Hitlers Machterschleichung“ ab 18.45 Uhr, und dann das Unternehmen Barbarossa, und dann „Als der Krieg nach Deutschland kam“, und schließlich „Davon haben wir nichts gewußt – die Deutschen und der Holocaust.“ Schon ist Mitternacht. Schade, dass der Tag so wenig Stunden hat, denn auf „Spiegel Geschichte“ gibt es noch das „Tagebuch der Anne Frank“ ab 15.30 Uhr, ab 20.15 Uhr einen Bericht über die jüngsten Urteile gegen NS-Kriegsverbrecher, danach „Flucht aus Treblinka“ sowie „ Hitlers jüdische Geiseln“ ab 22.50 Uhr und als Abschluß ab 23.40 Uhr „ Diese verfluchten Stunden am Abend – die Häftlingsbordelle im KZ.“

Unglaublich, welche Materialmengen die Bewältigungsmaschine ausspuckt. Und der Nachschub rollt ununterbrochen.

Der Dienstag bietet die Gelegenheit für dringend notwendige Erholung, falls denen, die sich komplett das Montagsangebot angetan haben, überhaupt noch zu helfen ist. N 24 schickt ab 16.10 Uhr wieder „Hitler und Mussolini“ ins Rennen, und Phönix erinnert ab 20.15 Uhr an den Untergang der „Hindenburg“. Das war`s.

Am Mittwoch schnappt die Vergangenheitsverwertungsindustrie immer noch nach Luft. N-TV blättert ab 16.10 Uhr in der „Chronik des Dritten Reiches“. Bei ZDF INFO gibt es ab 20.15 Uhr „den Tramp und den Diktator“ zu bestaunen, wohl eine Doku zu Charlie Chaplins Film „Der große Diktator“. Irgendwann folgt dann wohl der Film zur Doku. Antifa-Detektiven, die gerne nach verborgenen rassistischen Tendenzen an den unwahrscheinlichsten Orten suchen, sei auf dem Kinderkanal „Die Biene Maja“ ab 18.15 Uhr empfohlen. Der Autor der Buchvorlage soll Sympathien für die Nationalsozialisten gehegt haben, die sich in rassistischen Vorurteilen der Bienen gegenüber den Hornissen niederschlugen. Da muß man doch etwas unternehmen!

Am Donnerstag hat N-TV wieder die offenbar unendlichen „Chroniken des Dritten Reiches“ zu bieten, ab 16.10 Uhr. Hitlers Frauen feiern eine Tupperwarenparty auf ZDF INFO ab 18.45 Uhr. Es folgt ab 21.00 Uhr „Hitler privat- Das Leben des Diktators“. Die „Welt im Krieg“ ab 20.15 Uhr und „Hindenburg“ ab 21.00 Uhr auf Spiegel Geschichte runden das Ganze ab.

Am Freitag noch Mal „Hindenburg“ auf Spiegel Geschichte ab 13.45 Uhr und auf National Geographic ab 14.20 Uhr und 21.05 Uhr „Die fliegenden Helden des 2.Weltkriegs“, eine kanadische „Doku-Soap“. Darunter könnte man sich eine Mischung aus Kriegsdokumentation und „Sturm der Liebe“ vorstellen, wenn man denn hereinschauen wollte.

Die mediale Vergangenheitsbewältigung weist gewisse Parallelen zur Epilepsie auf. Ein schlimmer Anfall, und danach eine erschöpfte Ruhephase, bis zum nächsten Mal.

Bis zum Samstag, genauer gesagt. Ab 20.05 Uhr erwartet uns „Hitler: Chronologie des Bösen“ bei N-TV. Die Rechte für „das Omen“ waren wohl zu teuer. „Natter: das Geheimwaffenprojekt der Nazis“ erfreut Zuschauerherzen ab 21.05 Uhr, bevor ab 22.05 Uhr ein Blick in „Die Wolfsschanze- Hitlers geheimes Hauptquartier“ geworfen werden kann.“
Spiegel Geschichte hat ausgerechnet, wie lange das Dritte Reich dauerte –„ 12 Jahre, 3 Monate, 9 Tage –Die Jahreschronik des Dritten Reiches“ lautet der Titel des Beitrags, der ab 23.10 Uhr ausgestrahlt wird und leider schon um 0.55 Uhr endet. Aber keine Sorge. „J.Goebbels- Verführer im Dienste Hitlers“ steht schon in den Startlöchern und geleitet uns in den Sonntag.

An diesem gibt N-TV allen, die „Hitlers geheimes Hauptquartier“ sowie seine Chronologie des Bösen verpasst haben sollten, doch noch eine wenn auch unverdiente Chance zur Weiterbildung, ab 16.10 Uhr und 17.05 Uhr.

Und dann kommt er : „Hitlers Vollstrecker- Das Volksgericht und der Widerstand“ Natürlich geht es um Roland Freisler, dem viele BRD-Nachkriegskarrierejuristen zutiefst dankbar sein müssten, weil er so herrlich von ihnen ablenkte. Nach neueren Untersuchungen hat das Dritte Reich 80% der Richter und Staatsanwälte der Weimarer Republik übernommen, und die BRD wiederum 80% der Richter und Staatsanwälte des Dritten Reiches. Man könnte den Begriff „80-Prozenter“ als Synonym für „angepaßter Opportunist“ verwenden. Noch Mitte der 60èr Jahre waren unter den älteren Richtern die in der Mehrheit, die drei Regimen gedient hatten.

Malen wir uns einen solchen Lebenslauf ein Mal aus.

Geboren 1900, Abitur 1918. Jurastudium. 1925 als Assessor an ein Gericht, 1928 Richter. Auf die Weimarer Verfassung geschworen. Kommunisten und Nationalsozialisten verurteilt. Ihnen bittere Vorwürfe gemacht wegen ihrer verfassungsfeindlichen Umtriebe. 1933 auf Führer, Volk und Vaterland geschworen. Anhänger der Weimarer Verfassung verurteilt. Sie aufgefordert, sich die Zeit im KZ als Lehre dienen zu zu lassen und sich gefälligst in die Volksgemeinschaft einzugliedern. In NSDAP oder wenigstens NSRB eingetreten.
1945 Mitgliedsausweise im Garten vergraben, ebenso Mein Kampf und Führerbild.

Zu den Alliierten gerannt und Dienste angeboten. 1949 auf BRD und Grundgesetz geschworen. Nationalsozialisten verurteilt und ihnen ihre verfassungsfeindlichen Umtriebe vorgehalten. In SPD, CDU oder FDP eingetreten. 1965 in die wohlverdiente Pension. Jedes Jahr heimlich Freislers Geburtstag gefeiert –denn all dies war nur möglich hinter seinem breiten Rücken.

Die Woche schließt mit „Hitlers Berg – Die Machtzentrale des Diktators“ ab 2.55 Uhr auf Spiegel Geschichte. Wie wir aus gewöhnlich schlecht unterrichteten Kreisen erfahren haben, soll der Obersalzberg komplett abgetragen werden, um die Wallfahrten unverbesserlicher Unumerziehbarer unmöglich zu machen. Auf der so geschaffenen Ebene soll das Paolo-Pinkel-Denkmal für übermäßig verfolgte Koks-und Nuttennutzer errichtet werden. Wird aber auch Zeit.

Quelle: Freies Pommern

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Ubasser

5 Antworten zu “Die aktuelle Hitler-TV-Woche vom 27.01. bis 02.02.14

  1. Pingback: Die aktuelle Hitler-TV-Woche vom 03.02. bis 09.02.2014 | In Dir muß brennen...

  2. Konsum Endverbraucher 29. Januar 2014 um 17:24

    Vielen Dank allen BRD-Medien für das volle Pogrom, äh: Programm.

  3. herbert 29. Januar 2014 um 14:37

    Und dann die Geschichte eines kleinen, neugierigen Jungen, der nach Auschwitz kam. Mit Leichenfahrstühlen gefahren ist. Zum Aufwärmen durfte er auch in die Gaskammer gehen.

    So berichtet der Deutsche Qualitätsjournalismus im SPIEGEL online. Tragische Geschichte!

  4. neuesdeutschesreich 29. Januar 2014 um 00:32

    Hat dies auf neuesdeutschesreich rebloggt.

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