Morbus ignorantia – Die Krankheit Unwissen

"Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft und wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit." – George Orwell

Superstaat Europa


von Michael Winkler (468. Pranger)

Die Vereinigten Staaten von Europa – ich gehöre gerade noch zu der Generation, die mit diesen Worten die Hoffnung auf eine bessere Zukunft verbunden haben. Damals, in den Sechzigern, wurde Brüssel noch nicht als Beamtenmoloch angesehen, in dem abgehalfterte Alt-Politiker übergeschnappte Regelungen erfinden. Damals leuchteten Glühbirnen hell und freundlich, die Gurken durften wachsen, wie sie wollten, und selbst Karamel-Bonbons durften ohne eine 50.000 Worte umfassende Verordnung eingeführt werden. Wir haben das alles nicht nur überlebt, wir haben sogar ein Alter erreicht, in dem wir über sowas verständnislos den Kopf schütteln.

Jedenfalls erschien die Idee, aus ganz Europa einen einheitlichen Staat zu formen, damals überzeugend, fortschrittlich und gut. Damals waren überhaupt alle fortschrittlichen Ideen gut, in meinem damaligen Alter habe ich eben noch nicht konservativ gedacht. Eine letzte Nachwehe dieses damaligen Empfindens hatte ich 1991, als es um die Bundeshauptstadt gegangen ist. Meine Idee war, diese in Bonn zu belassen und dafür Berlin zur Hauptstadt des vereinigten Europas zu küren.

Ein vereinigtes Groß-Europa, von Portugal bis Rußland, vom Nordkap bis zum befreiten Konstantinopel, das ist eine verführerische Idee. Leider enthält diese Vorstellung ein paar Details, die nicht zu diesem Groß-Europa passen: Griechen, Italiener, Franzosen, Portugiesen, Russen, Polen, Schweden, Norweger… Diese Leute haben alle etwas, was man Mentalität nennt. Noch schlimmer, ein paar davon haben obendrein noch eine weitere unangenehme Eigenschaft: Kultur. Es wäre alles viel einfacher, wenn sie Deutsche wären. Obwohl… Sagen wir, Franken. Also so wie in Würzburg, wenn man die Leute wegläßt, die SPD oder Grüninnen wählen und für “Würzburg ist bunt” eintreten. Ideale Deutsche eben, so wie in den Romanen Karl Mays oder Hans Dominiks.

Die Vereinigten Staaten von Groß-Würzburg, vom Atlantik bis nach Kamtschatka, von Lampedusa bis Spitzbergen. Alle sprechen Deutsch, die idiotische neue Rechtschreibung ist abgeschafft, die heutigen Politiker hüten in Paraguay Ziegen und die heutigen Gutmenschen arbeiten als Hauspersonal in Schwarzafrika. Ja, das wäre doch ein gigantischer Fortschritt. Der Fürstbischof residiert im Berliner Stadtschloß…

Kehren wir in die Realität zurück. Die Vereinigten Staaten von Europa wären ein billiger Abklatsch der Vereinigten Staaten von Amerika, wobei die VSA als Land ohne echte Geschichte und Kultur nie wirkliche Staaten gewesen sind, geschweige denn Nationen. Die letzten Überreste staatlicher Eigenständigkeit hat damals Abraham Lincoln niedergewalzt, unter Bruch der eigenen Verfassung. Ein US-Bundesstaat ist der Ort, an dem man zufällig lebt, keine Heimat im europäischen Sinne. Allerhöchstens Texas bildet da eine Ausnahme.

Deutsche haben noch 1866 gegeneinander Krieg geführt, in den Weltkriegen arbeiteten viele Deutsche für den Feind und heute arbeitet die Bundesregierung gegen das eigene Volk. Deutschland, einig Vaterland, besang die DDR-Hymne, doch außer vielleicht im August 1914 hat es diese Einigkeit in Deutschland nie gegeben. Die schlimmsten Feinde der Deutschen sind nicht die Juden, nicht die Russen oder Amerikaner, nicht die Franzosen oder Engländer, die schlimmsten Feinde der Deutschen sind die Deutschen selbst. Dabei ist es unerheblich, ob Preuße oder Bayer, ob Hanseat oder Sachse, der Riß geht quer durch alle Stämme, oft sogar quer durch Familien.

Der deutsche Wunsch nach dem vereinten Europa ist der Wunsch, diese Gegensätzlichkeit im eigenen Volk zu überwinden, die Einzelinteressen einem größeren Ideal unterzuordnen. Dafür war und ist der Deutsche bereit, bis an die Grenze seiner Kräfte zu arbeiten und zu leiden, für eine bessere Welt, für die eigenen Nachkommen, für die Zukunft.

Den anderen Europäern ist dieser Wunsch fremd. Für die Franzosen ist Groß-Europa ein größeres Frankreich, das nach französischen Vorstellungen gestaltet und verwaltet wird, wo alles außerhalb der Stadtgrenzen von Paris tiefste und rückständige Provinz ist. Die Griechen möchten auf Grund ihrer uralten Kultur eine Art Rentnerstatus, ein Europa, das ihnen dankbar Privilegien zusichert. Die Italiener möchten singen und von Steuern verschont werden, die Spanier ihren Stolz bestätigt sehen, Portugal möchte als Heldenvolk verehrt werden. Die Schweden wollen eine Form des westlichen Sozialismus, die Engländer einen Ersatz für ihr verspieltes Weltreich. Jedes Volk denkt nur daran, sich selbst weitgehend durchzusetzen, in diesem schönen großen vereinten Europa.


Anstatt sein Bestes einzubringen, möchte jeder möglichst viel von sich und möglichst wenig von den Anderen in Europa haben. Das aber ist nicht möglich. Wir Menschen können nicht aus unserer Haut, wir sind so programmiert. Als erstes komme ICH, dann meine Familie, meine Sippe, meine Freunde und Bekannten, mein Dorf, mein Stamm, mein Volk – in dieser Abfolge gibt es nur selten Abweichungen in der Anordnung. Der eigene Überlebensinstinkt kann vom Mutter-/Vater-Instinkt als Beschützer abgeschwächt werden, die Disziplin im Militär und die Furcht vor Strafe die Kameradschaft über das eigene Überleben stellen, doch in aller Regel steht der Eigennutz ganz oben.

Wer die Reinkarnation akzeptiert, der muß auch akzeptieren, daß wir nicht zufällig da geboren werden, wo wir zur Welt kommen. Wir sind keine unbeschriebenen Blätter, sondern Seelen mit Geschichte. Wenn Sie an der RWTH Aachen Elektrotechnik studieren, dann sagen Sie nicht nach dem Diplom, daß Sie jetzt Müllsortierer in Caracas werden möchten, sondern Sie suchen sich eine Arbeit als Elektro-Ingenieur. Wenn Ihre letzte Inkarnation in Deutschland gewesen war, wird Ihre nächste Inkarnation sehr wahrscheinlich wieder hier stattfinden, weil Ihr Volk mit Ihrer Mentalität am besten übereinstimmt. Das sagt nichts darüber aus, wer Sie mit 10, 25 oder 50 Jahren sein werden, darüber entscheidet Ihr freier Wille. Die karmische Entsprechung gibt Ihnen nur Ihr Geburtsumfeld vor. In einem Löwenrudel kommen keine Kaninchen zur Welt, und wer zum Fliegen bestimmt ist, wird kein Regenwurm.

Die Mentalität eines Volkes ist unauslöschbar. Sie kann sich jedoch verlagern, so mancher disziplinierte römische Legionär wird später auf preußischen Kasernenhöfen erneut gedrillt worden sein. Dies dauert jedoch Jahrhunderte, das geht nicht durch eine bloße Grenzziehung. Der “preußische” Ingenieur, der als Chef einer deutschen Firma großartige Erfolge erzielt, mag bereits in Österreich versagen, auf Sizilien ist er gänzlich fehl am Platz. Ein Superstaat Europa, der allen Europäern die gleichen Werte überstülpen will, muß versagen.

Der Nordländer ist seit Jahrhunderten gewohnt, daß er die wenigen warmen Monate ausnutzen muß. Die Aussaat kann nicht warten, bis man Lust dazu hat, und die Ernte muß eingebracht werden, bevor sie auf den Feldern verrottet. Im Sommer mag es mittags heiß sein, doch nicht derart unerträglich, daß man nicht arbeiten kann. Das warme Klima des Südens ist da toleranter, da kann man ein paar Tage aussetzen, selbst im schneefreien Winter wachsen irgendwo eßbare Pflanzen. Dafür ist die Siesta nötig, denn wer in der vollen Hitze arbeitet, riskiert seine Gesundheit. Ja, das ist mit dem groben Pinsel gezeichnet, doch prägt diese ständige Erfahrung die Menschen.

Jede Mentalität hat ihre Berechtigung, doch wo Mentalitäten zusammenstoßen, gibt es Reibereien. Wenn der Deutsche die Siesta durcharbeitet, ist der Spanier faul, wenn der Italiener draußen die lauen Nächte genießt, ist der Schwede, den es nach Hause zieht, unhöflich, wo der Grieche die Pracht seiner Landschaft in Kunst gekleidet hat, hat der Engländer die Dampfmaschine konstruiert. Um es zu überzeichnen: Wenn der Südländer erst arbeitet, wenn die Kasse und die Speisekammer leer ist, wird es massive Probleme geben, wenn er mit einem Deutschen zusammenlebt, der unablässig Kasse und Speisekammer auffüllt.

Daraus folgt das größte Problem für ein geeintes Europa: die Wirtschaft bzw. die Finanzen. Wir leben tatsächlich in einem Europa, in dem vor allem Deutschland die Kassen füllt und die anderen Länder von dieser vollen Kasse leben. Wenn Deutschland 180 Milliarden Außenhandelsüberschuß erwirtschaftet, die ganze EU jedoch nur 10 Milliarden, dann haben die anderen Länder ihre Importe mit deutschem Geld bezahlt. Der Deutsche, der schließlich die Früchte seiner Arbeit genießen möchte, wird auf diese Weise um eben diese Früchte betrogen. Unterm Strich zahlen wir an den noch unvollendeten Superstaat Europa schon jetzt ein Mehrfaches jener Tribute, die uns im Versailler Vertrag auferlegt worden sind. In jenem Vertrag, der nach dem Ende des ersten Weltkriegs beschleunigt den zweiten Weltkrieg herbeigeführt hat!

Doch selbst dieses wirtschaftliche Ungleichgewicht ist noch nicht das Haupthindernis für die Vereinigten Staaten von Europa. Das Haupthindernis ist das Geld. Alle Länder der EU sind Demokratien, was zweierlei Folgen hat: Es gibt in jedem Land eine große Anzahl politischer Klientelen, die es dank ihres Parteibuches oder dank ihres Status’ als umworbene Wähler zu Privilegien gebracht haben. Diese Privilegien müssen entweder aufgelöst werden, was Unruhen in den einzelnen Ländern zur Folge hat, oder auf alle Länder ausgedehnt, was nicht zu bezahlen ist. Alle Demokratien, nicht nur Europas, sondern der ganzen Welt, sind hoffnungslos überschuldet. Dies ist das gravierende Hindernis auf den Weg ins gemeinsame Europa.

Wir haben in Europa ein hohes Maß an Arbeitslosigkeit und enorme Staatsschulden. Deutschland, Frankreich und Italien sind jeweils bei mindestens zwei Billionen Euro angelangt, setzen wir für die übrigen 25 Länder der EU nur einen Durchschnitt von jeweils 500 Milliarden an, so erreichen wir knappe 20 Billionen Euro! Offiziell werden 11 Billionen Euro angegeben, was etwa 15 Billionen US-Dollar entspricht. Die USA kämpft sich derzeit an die Marke von 18 Billionen US-Dollar heran. Soweit sind die beiden Blöcke also nicht auseinander. Die USA leisten sich dafür ein Weltreich, Europa gut bezahlte Beamte und Sozialhilfe. Die Kosten für künftige Beamtenpensionen sind in diesen Summen nicht enthalten.

Damit ein Staat handlungsfähig ist, benötigt er Geld, um die Probleme im Land zu beseitigen. Es gibt hunderte Beispiele, wo Länder dank ausländischem Kapital aufgeblüht sind. Zuletzt konnten wir das an den “Schwellenländern” beobachten. Die Blüte in Brasilien, Rußland, Indien, China und der Türkei war ausländischem Kapital geschuldet. Dieses wird derzeit abgezogen und die Blüte ist zu Ende. Sultan Erdogans Wirtschaftsaufschwung endet im Verfall der Lira.

Es gibt nur ein einziges Beispiel, wo es ein Land geschafft hat, sich selbst aus dem Sumpf zu ziehen, ohne ausländisches Kapital, sogar gegen einen “Judea Declares War”-Boykott: Deutschland ab 1933. Es hat in den sechs Jahren bis zum Kriegsausbruch funktioniert. Heute läßt sich leicht behaupten, daß das Reich damals praktisch Bankrott gewesen und der Krieg der letzte Ausweg gewesen sei. Das Experiment wurde gewaltsam abgebrochen. Im Nachhinein mag die Frage gestattet sein, wieso damals alle Mächte so auf den Krieg hingearbeitet haben, wenn das Problem wenige Monate später ohne Blutvergießen erledigt gewesen wäre. Eine exterritoriale Auto- und Eisenbahn-Strecke des Reiches nach Ostpreußen hätte Polen wahrlich verkraften können.

Einem geeinten Europa wird dies nicht gelingen. Europa kann sich nur als neue EUdSSR bilden, als ein Staat, der seine Bewohner ausplündert. Europa muß erst einmal Geld vernichten, um sich seiner Schulden zu entledigen. Jeder Euro Schulden, der vernichtet wird, ist jedoch gleichzeitig ein Euro Vermögen, das enteignet wird. Selbst wenn am Ende die offiziellen 11 Billionen Euro Schulden verschwunden sind, bleiben zwei Probleme: Mit den Schulden sind die Vermögen vernichtet, damit fehlen sie für Investitionen. Das vereinigte Europa verkommt damit im wirtschaftlichen Siechtum. Zweitens sind die Altlasten nicht verschwunden, der Beamtenapparat will bezahlt und später versorgt werden. Staatsquoten über 50% in mehreren EU-Ländern sind untragbar, selbst die Staatsquote der BRD von 44% ist eine Zumutung. Das Vereinte Europa taumelt damit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch entgegen.

Die künftige europäische Armutszone wird auf diese Weise die Zuwanderer los, für die es im Land kein Auskommen mehr gibt. Weltweit wird es jedoch keine Insel der Seligen geben, denn der Zusammenbruch Europas wird durch die Zusammenbrüche anderer Wirtschaftsräume begleitet: die USA, Ostasien und Südamerika werden in den Strudel gerissen. Die befürchtete Abwanderung der Hochqualifizierten bleibt somit aus.

Ich möchte jetzt einen mathematischen Beweis erbringen, daß ein Faß niemals voll werden kann. Das Verfahren nennt sich vollständige Induktion und ist Ihnen vielleicht aus der Schule bekannt. Ich lasse einen Tropfen Wasser in ein leeres Faß fallen – und es läuft nicht über. Das ist der Fall N=1. Nun fülle ich das Faß, gebe also N Tropfen hinein, wobei N eine beliebige, das Faß füllende Zahl ist. Nun füge ich den Tropfen N+1 hinzu. Das Faß läuft NICHT über, somit ist der Beweis erbracht. Oder? So gehen Demokraten mit Staatsschulden um. Das Faß wird schon nicht überlaufen, das widerspräche doch der Mathematik! Die alltägliche Erfahrung lehrt uns jedoch, daß es schließlich den einen Tropfen geben wird, den N+1-Fall, der das Faß schließlich doch überlaufen läßt. Die Kunst der Demokraten besteht darin, bis zu diesem N im Amt zu sein und vor dem N+1 das Weite zu suchen. Wir dürfen deshalb davon ausgehen, daß alle Politiker, die einen Superstaat Europa herbeiwünschen, diesen tunlichst verlassen, bevor das Kartenhaus über ihnen zusammenbricht. Der Zusammenbruch ist unvermeidlich!

Der Superstaat Europa kann nur die zukünftige Armut verwalten und seine Bevölkerung unterdrücken. Das wird nicht die “Brave New World”, das wird “Ozeanien” aus George Orwells 1984. Nur ein restriktives Unterdrückungssystem vermag es, die unterschiedlichen Mentalitäten in den Griff zu bekommen. Nur die völlige Armut lähmt den Widerstandswillen der Menschen. Und nur die totale Kontrolle verhindert den Ausbruch einer Revolte gegen dieses System. Ein fortdauernder Krieg ist zudem hilfreich, um junge, aggressive Menschen an der Front zu verheizen.

Die Vereinigten Staaten von Europa sind ein Wunschtraum, der an der Realität gescheitert ist. Europa lebt von der Vielfalt seiner Völker, nicht von der Einfalt seiner Politiker. Wer 50 Kilometer weit fährt, erlebt eine andere regionale Küche, trinkt ein anderes regionales Bier, hört einen anderen, regionalen Dialekt. Das ist eine Struktur, die ihn Jahrhunderten gewachsen ist und die alle Beben der Zeit überstanden hat. Dies zu Gunsten eines Zentralstaates auszulöschen, ist ein kulturelles Verbrechen.

Die Zukunft liegt nicht in großen Strukturen, sondern in kleinen, die sich flexibel anpassen. Richtig große Tiere waren die Dinosaurier, und sie haben die ganze Erde besiedelt und beherrscht. Nur eines haben sie nicht: überlebt.

Quelle: ©Michael Winkler

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Ubasser

 

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