Morbus ignorantia – Die Krankheit Unwissen

"Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft und wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit." – George Orwell

Ukraine-Politik der USA: Rechnung ohne den Wirt


Von Alexej Pilko

Der Politologe Alexej Pilko hat sich Gedanken darüber gemacht, wie es zu der an den Kalten Krieg erinnernden Konfrontation zwischen den USA und Russland im Tauziehen um die Ukraine gekommen ist.

Die politische Krise in der Ukraine und der Staatsstreich am 21. und 22. Februar haben das russisch-amerikanische Verhältnis schwer belastet. Die Gründe dafür sind in der Ukraine-Politik Washingtons nach dem Zerfall der Sowjetunion zu finden.

Die USA, die die separatistische Stimmung in der Sowjetunion aktiv gefördert hatten, wollten die Entstehung einer unabhängigen Ukraine anfangs nicht akzeptieren. 1991 warnte der damalige US-Präsident George Bush die Ukraine vor solch einem Szenario. Als die Ukraine unabhängig wurde, änderten die USA ihren außenpolitischen Kurs gegenüber der Ukraine.

Die Souveränität der Ukraine bedeutete aus der Sicht der USA eine massive Schwächung Russlands – sowohl in der Wirtschaft als auch in der Politik. Die Ukraine wurde von den USA faktisch immer als Teil Russlands wahrgenommen, der von Russland abgetrennt und als Beute aus der Zeit des Kalten Kriegs erhalten wurde (obwohl das auf offizieller Ebene negiert wird).

In den 1990er-Jahren kam die politische Elite der USA zunehmend zu der Ansicht, dass der Wiederaufbau des „Russischen Reiches“ ohne Integration mit der Ukraine unmöglich ist. Ein Anhänger dieser Meinung ist der ehemalige Nationale Sicherheitsberater des US-Präsidenten Zbigniew Brzeziński. Die Anhänger dieser Position, die zwar weniger bekannt sind, jedoch den außenpolitischen Kurs der USA vorgeben, haben großen Einfluss im Weißen Haus und im Kapitol.

Die Beziehungen zwischen den USA und der Ukraine sind ebenfalls von ideologischen Aspekten geprägt. Der Zerfall der Sowjetunion wird von Washington als endgültiger Beweis des US-Triumphes im Kalten Krieg betrachtet. Deswegen ist eine Russland-feindliche Ukraine eine Art symbolischer Triumph für die USA.

Wenn zwei Länder eine effektive Wirtschaftskooperation und einen Zusammenschluss beschließen, entsteht das Risiko des Wiederaufbaus eines zwischenstaatlichen Bündnisses, das an die Sowjetunion erinnere, so Washington. In diesem Fall würde es der US-Regierung schwer fallen, ihr Siegeskonzept im Kalten Krieg fortzuführen und zu erklären, warum der besiegte geopolitische Gegner wieder weltpolitische Macht demonstriert.

Deshalb ist eine unabhängige Ukraine mit schlechten Beziehungen zu Russland das Ziel der US-Außenpolitik in Europa. Um dieses Ziel zu erreichen, gingen die USA in drei Richtungen vor.

Seit Beginn der 1990er-Jahre kooperiert Washington eng mit der politischen Elite und sozial aktiven Bevölkerungsgruppen in der Ukraine. In der Ukraine sind viele US-amerikanische NGOs tätig, die die gewünschte gesellschaftliche Meinung fördern sollen.

Die USA intensivierten zudem die Zusammenarbeit mit rechtsradikalen nationalistischen Bewegungen in der Westukraine. Diese Kooperation begann bereits Ende des Zweiten Weltkriegs. Die USA haben es geschafft, starke Extremistengruppierungen zu bilden, die eine entscheidende Rolle bei den Protesten auf dem Unabhängigkeitsplatz (Maidan) in Kiew spielten.

Washington unternahm auch große diplomatische Anstrengungen, um den Graben zwischen der Ukraine und Russland unüberwindbar zu machen. Dazu wurde Kiew das Assoziierungsabkommen mit der EU aufgedrängt, das zum Abbruch der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Russland und der Ukraine geführt hätte. Ein weiterer Schritt sollte eine vertiefte Partnerschaft zwischen der Ukraine und der Nato mit einem Beitritt zum westlichen Militärbündnis als Fernziel sein.

Die Ukraine-Politik der USA zielte darauf ab, das Land an euroatlantische Strukturen und seine Wirtschaft an die EU zu binden. Doch Washingtons Plan ging nicht ganz auf. Mit dem geplanten eurasischen Wirtschaftsbündnis entstand eine reale Perspektive für engere Verflechtungen zwischen Moskau und Kiew. Die USA mussten in den vergangenen Jahren die Ereignisse in der Ukraine vorantreiben. Wegen des wachsenden Widerstands seitens Russlands hatte die US-Regierung keine andere Wahl.

Die USA unterstützten den Staatsstreich, weil sie die ukrainische Regierung nicht dazu bewegen konnte, ihrer Politik zu folgen. Die USA wurden zur Geisel ihrer Ukraine-Politik. Nun stehen die USA am Rande einer Konfrontation mit Russland wie zu Zeiten des Kalten Krieges.

Quelle: RIA Novosti.ru

..

Ubasser

3 Antworten zu “Ukraine-Politik der USA: Rechnung ohne den Wirt

  1. Kint 27. März 2014 um 17:14

    http://kulturstudio.wordpress.com/2014/03/25/solschenizyn-1998-uber-die-krim-geschichte/

    Alexander Solschenizyn: Die ukrainischen Behörden leisten dem amerikanischen Ziel – Rußland zu schwächen, Vorschub

    Übersetzt von Irina Snatschok

    http://rusnod.ru/theme3295.html 22.03.14aushttp://www.kp.ru/daily/26209.4/3093851v.22.03.14

    Sehr scharf und erstaunlich genau erscheinen alle Gedanken und Prophezeiungen Alexanders Isajewitschs in dem Licht, das heute auf die Ukraine heute fällt. Im Jahre 1998, das jetzt schon etwas weiter zurückliegt, (viel zu viele Ereignisse haben wir seit dieser Zeit erlebt) hat der russischen Klassiker Alexander Solschenizyn das Buch «Rußland vor demZusammenbruch» geschrieben. In ihm ist das Kapitel «Die slawische Tragödie» enthalten, das sich liest, als ob es gestern geschrieben worden ist. Lesen Sie den vorliegenden Auszug aus diesem Kapitel:

    Über die Krim

    In der eigenständigen Entwicklung segne Gott die Ukraine mit jeglichem Erfolg. Ihr schwerer Irrtum besteht gerade in dieser unmäßigen Erweiterung der Landfläche, die bis zu Lenin niemals zur Ukraine gehört haben: die zwei Donezk-Gebiete, der ganze südliche Landstreifen Neurußlands (Melitopol – Cherson-Odessa) und die Krim.

    (Die Annahme des Geschenkes von Chruschtschow — zumindest die gewissenlose Aneignung Sewastopols, ich spreche nicht nur von den russischen Opfern sondern auch von den sowjetischen juristischen Dokumenten, die dem entgegenstanden, war staatlicher Diebstahl) …

    Wie viele Russen haben mit Empörung und Schrecken dieses willenlos hingenommen, nicht im geringsten angefochten oder protestiert, und infolge der Schlaffheit unserer damaligen Diplomatie, um 24 Uhr die Abgabe der Krim erlebt. Auch deren Verrat bei jedem späteren Krimkonflikt. Und widerspruchslos, ohne die geringsten politischen Schritte erfolgte die Abgabe Sewastopols, dem Symbol des Heldentums des russischen Militärs. Die Missetat ist von unserer gewählten Regierung ausgeführt worden — doch auch wir, die Bürger, sind völlig mitschuldig, wir haben uns nicht rechtzeitig widersetzt. Und jetzt müssen sich die nächsten Generationen in langer überschaubarer Zeit damit abfinden…

    Die Vertreibung der Schwarzmeerflotte aus Sewastopol ist eine niederträchtige, böswillige Verunglimpfung der ganzen russischen Geschichte des XIX. und XX. Jahrhunderts. Unter all diesen Bedingungen kann Russland in keiner Form gleichgültig die mehrere Millionen betragende russische Bevölkerung in der Ukraine verraten und unserer Einigkeit mit ihr ableugnen.

    Über die Pläne des Westens

    Die antirussische Position Ukraine ist gerade das, was auch die USA benötigen. Die ukrainischen Behörden leisten dem amerikanischen Ziel, Rußland zu schwächen, dienstbeflissen Vorschub. Das entwickelte sich auch schnell und hat sich bis zu « den besonderen Beziehungen der Ukraine mit der NATO» und bis zu den Manövern der amerikanischen Marine im Schwarzen Meer hin entfaltet. Zwangsläufig wird man an den unsterblichen Plan von Parvus aus dem Jahre 1915 erinnert: die Ausnutzung des ukrainischen Separatismus, um Rußlands erfolgreich ins Chaos zu stürzen und zu zerstören.

  2. Waffenstudent 26. März 2014 um 10:59

    Dabei fällt auf, daß die Intrigeninsel peilich genau darauf achtete, daß alles, was in der Ukraine an eine von den Ukrainern wohlwollend empfundene Beziehung zum Deutschen Reiche erinnern könnte, konsequent verschwiegen wird: Kosaken, Schwarzmeerdeutsche, Krimgoten usw. Es gibt Berichte, die belegen, daß die anno 1941 durch die Wehrmacht vom Kommunismus befreite Ukraine vom Deutschen Reiche 350.000 Traktoren geschenkt bekommen hat. Aber ganz besonders fällt das Verschweigen des Holomodor mit etwa 6.000.000 urkrainischen Hungertoten auf. Das wäre doch eigentlich das historische Kernereignis, um zwischen Russen und Ukrainer Zwietracht zu säen. Warum werden all diese historischen Ereignisse konsequent ausgeblendet? Hat die Intrigeninsel noch politisch gefährliche ukrainische Leichen im Keller, von denen die Welt nichts erfahren darf?

    • UBasser 27. März 2014 um 17:57

      @Waffenstudent, insgesamt sind damals ca. 7,2 Mio. Menschen verhungert, oder haben sich durch altes Getreide vergiftet. Das Getreide wurde vor den Bolschewisten vergraben, dabei entstanden viele Pilze, die zumeist tödlich waren. Dadurch gab es gar so viele Tote. Aber auch hier ist zu betonen, das die Ukraine nicht nur für sich allein den Millionenfachen Tot der Bevölkerung geltend machen kann, denn es betraf ganz Südrußland, insbesondere die Kaukasusregion.

Bitte nur 4 - 5 Links im Kommentar! Eventuelle Freischaltungsprozedur kann etwas länger dauern! Notfall nochmals veröffentlichen und keine offensichtliche Phantasiemailadresse nehmen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: