Morbus ignorantia – Die Krankheit Unwissen

“Wenn die Deutschen zusammenhalten, so schlagen sie den Teufel aus der Hölle!” Otto von Bismarck

Die Verbrechen an der Wehrmacht – 2 Teil


Vorbemerkung MI: Leider sind diese Artikel sehr lang. Es dauert ein wenig, ehe man ihn studiert hat. Aber, in Anbetracht der immer noch verbreiteten Lügen über eine grausame Kriegsführung der Deutschen, ist zur Entlarvung dieser wahrlich großen Lüge kein einziges Wort zu viel geschrieben. Jeder soll sich Gedanken darüber machen, wie und durch was die Nürnberger Prozesse ihr Dasein rechtfertigen. Leider ist hier nur von der deutsch-sowjetischen Kriegsführung und Ereignisse die Rede. Die Aufarbeitung des deutsch-sowjetischen Kampfes ist mit diesem Buch ein wichtiger Schritt für das friedliche Zusammenleben der Völker in Europa. Die Aufklärungsarbeit ist zwischen Rußland und Deutschland wesentlich besser ausgeprägt, als zu den Amerikanern, Engländern und Franzosen.

Ubasser

Die verbrecherischen Befehle

Der Kommissarbefehl vom 6.6.1941 („Richtlinien über die Behandlung politischer Kommissare“) – am 18.8.1941 wurden seine Bestimmungen auf die Politruks auf Kompanieebene erweitert – gehört nach den Festlegungen der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse „zu den böswilligsten, verwerflichsten und verbrecherischsten Anordnungen, die je von einer Armee ausgegeben worden sind“.[26] Der Befehl habe ignoriert, daß Kommissare und Politruks Angehörige der Roten Armee waren. Sie gehörten zu den Kriegsgefangenen im Sinne der Haager Landkriegsordnung (Artikel 4-20) und der Genfer Konvention vom 27.7.1929, genauso wie die Mitglieder der bewaffneten Streitkräfte, die nicht als Kombattanten anzusehen waren, d.h. Ärzte, Veterinäre, Verwaltungsbeamte, Richter usw. Da diese Regelung bereits vor dem Zweiten Weltkrieg völkerrechtliches Gewohnheitsrecht gewesen sei, habe es keine Rolle gespielt, daß die Haager Landkriegsordnung von Italien und Bulgarien nicht unterzeichnet und von der Sowjetunion nicht übernommen und die Genfer Konvention von der Sowjetunion nicht unterzeichnet und ratifiziert worden waren.

Die Kommissare und Politruks verkörperten die kommunistische Partei (KPdSU) in der Roten Armee. Ihre Zuständigkeit lag in der Aufrechterhaltung der „Moral der Armee“, eine der fünf Prinzipien der Roten Armee.[27] Sie hatten die Linientreue der Offiziere und Soldaten im Sinne der kommunistischen Ideologie zu gewährleisten und die Rotarmisten zur Kampfbereitschaft zu erziehen. Diese politische Aufgabe, die ihnen von der Parteiführung übertragen war, lieferte Hitler die Begründung, in ihnen Parteimänner zu sehen und nicht Soldaten. Er hielt sie für verkleidete Funktionäre. Deshalb glaubte er, ihnen den Kombattantenstatus absprechen zu können. In der Hoffnung, daß die Rote Armee ohne Parteisäule zerfallen werde, befahl er ihre Aussonderung und Erschießung.

Anmerkung MI: Wobei die Annahme der Hitler-Regierung nicht unbedingt falsch ist. Die Politruks waren verkleidete Funktionäre, wie es auch immer wieder in russischen Dokumentationen ersichtlich wird. Auch in der Nationalen Volksarmee der DDR waren diese Politoffiziere von der Partei SED entsandt, um die Einheiten auf Kurs zu halten. Es waren Funktionäre in Uniformen. Der Autor Franz W. Seidler unterschätzt die Gefährlichkeit dieser Leute allgemein, wobei die rigorose Erschießung der Politruks ganz sicher nicht zum Zusammenbruch der Roten Armee hätte führen können. Der bolschewistische Propagandahebel erfolgte nicht nur über die Funktionäre in Uniform, sondern kam auch per Flugblatt und Zeitungen an die kämpfenden Truppen der Roten Armee. Was jedoch von der Hitler-Regierung bei der Herausgabe dieses Befehls nicht bedacht wurde, lesen Sie im Folgenden:

Bei der Vorbereitung des Kommissarbefehls in den militärischen Führungsgremien des Deutschen Reiches spielte eine große Rolle, daß man aus dem finnisch-russischen Winterkrieg wußte, daß Stalin sich um die Beachtung der Genfer Kriegsgefangenenkonvention nicht kümmerte. Die Bitte der finnischen Regierung vom 30.11.1939, die völkerrechtlichen Bestimmungen einzuhalten, hatte er (Stalin) ignoriert.[28] Während im OKW Hitlers Weisung willfährig in Befehlsform gegossen wurde, war man auf den nachgeordneten Führungsebenen über die Zumutungen des Kommissarbefehls betroffen.[29] Walther von Brauchitsch, Oberbefehlshaber des Heeres, kam in arge Bedrängnis. Sein eigener Stabschef legte ihm nahe, aus Protest zurückzutreten. Generaloberst Beck, bis 1938 Chef des Stabes im OKH, forderte ihn auf, in aller Form „gegen diesen Mordbefehl“ vorzugehen.[30] Brauchitsch entschloß sich lediglich zu einem Zusatzbefehl, der zwar ein paar formale Einschränkungen vorschrieb, aber die Völkerrechtswidrigkeit nicht aufhob: „Das Vorgehen gegen einen politischen Kommissar muß zur Voraussetzung haben, daß der Betreffende durch eine besonders erkennbare Handlung oder Haltung sich gegen die deutsche Wehrmacht stellt oder stellen will. … Die Erledigung der politischen Kommissare bei der Truppe hat nach ihrer Absonderung außerhalb der eigentlichen Kampfzone unauffällig auf Befehl eines Offiziers zu erfolgen.“[31] Ihm ging es mehr um die Auswirkungen der Kommissarerschießungen auf die Truppe als um das Leben der Kriegsgefangenen.

In der Praxis erwies sich der Kommissarbefehl als Segen für die Rote Armee. Die Kommissare, die alles zu verlieren hatten, wenn sie in Gefangenschaft gerieten, riefen die Soldaten zum Widerstand bis zum letzten auf. Sie hetzten die Rotarmisten zu Greueltaten gegen deutsche Gefangene auf, um sie mit sich zu kriminalisieren. Ein Beispiel dafür, daß deutsche Soldaten, die in sowjetische Gefangenschaft kamen, auf Weisung der Kommissare getötet wurden, ist der Befehl des Kommissars des Schützenregiments 406, der am 17.1.1942 vor dem Angriff auf Leski befahl: „Es werden keine Gefangenen gemacht, alle Deutschen werden erschlagen. Keiner darf am Leben bleiben.“[32] Wenn die Soldaten die Verbrechen, die ihnen befohlen waren, ausführten, konnten sie nicht mehr mit Pardon auf der deutschen Seite rechnen. Das wollten die Kommissare erreichen. Den Soldaten sollte das passieren, was den Kommissaren bevorstand: die Erschießung. Kriegsgefangene Rotarmisten erklärten den zähen Widerstand ihrer Einheiten auch damit, daß die Kommissare ihnen angedroht hatten, sie zu erschießen, wenn sie die Stellung räumten.[33] Jeder Rückzug brachte die Kommissare in die Gefahr, den Deutschen in die Hände zu fallen.

Über die agitatorische Funktion der Kommissare und Politruks waren sich auch die für den Ostfeldzug vorgesehenen Generale einig. Aber die meisten gingen wie Generaloberst von Küchler, Oberbefehlshaber der 18. Armee, davon aus, daß diese Parteifunktionäre vor ein Feldgericht gestellt werden würden. Am 25.4.1941 belehrte Küchler seine Divisionskommandeure: „Die politischen Kommissare und GPU-Leute sind Verbrecher. Das sind die Leute, die die Bevölkerung knechten. … Sie sind kurzerhand vor ein Feldgericht zu stellen und aufgrund der Zeugenaussagen der Einwohner abzuurteilen.“[34] Aufgrund seiner Erfahrungen mit den Kommissaren der Roten Armee verurteilte Generalfeldmarschall Erich von Manstein die Leute in seinen Nachkriegserinnerungen als Nichtsoldaten: „Sie waren vielmehr – ohne Soldaten zu sein – fanatische Kämpfer und zwar Kämpfer, deren Tätigkeit im überlieferten Sinne der Kampfführung nur als illegal angesehen werden konnte. Ihre Aufgabe war es nicht nur, die sowjetischen militärischen Führer politisch zu überwachen, sondern vielmehr dem Kampf äußerste Härte zu geben und einen Charakter, der den bisherigen Auffassungen über soldatische Kampfführung völlig widersprach. Tatsächlich sind es auch diese Kommissare gewesen, denen in erster Linie diejenigen Methoden des Kampfes und der Behandlung Gefangener zuzuschreiben waren, die im krassen Gegensatz zu den Bestimmungen der HLKO (Haager Landkriegsordnung) standen.“[35]

Im Prinzip hatte Hitler, als er den Kommissarbefehl anordnete, die völkerrechtswidrigen Funktionen der Kommissare in der Roten Armee richtig erkannt. Die Scheußlichkeiten, die „die jüdisch-bolschewistischen Kommissare“ in Ostpolen, Bessarabien und im Baltikum begangen hatten, als diese Gebiete der UdSSR angegliedert wurden, dienten ihm als Rechtfertigung. Seine Befürchtung war, daß diese Männer in den deutschen Kriegsgefangenenlagern ihre Agitation im Sinne des Kommunismus fortsetzen und ihre Kameraden aufhetzen würden, möglicherweise sogar zu Übergriffen gegen die Bewacher. Ihre Trennung von den „normalen“ Kriegsgefangenen war aus diesen Erwägungen verständlich. Die völkerrechtskonforme Lösung hätte in der Einrichtung von scharf bewachten Sonderlagern für Kommissare und Politruks bestanden, wo die Fanatiker unter sich gewesen wären. Dort hätten die Untersuchungen über die Verbrechen stattfinden müssen, die ihnen vorzuwerfen waren.[36]

Bei der Verteilung des Kommissarbefehls an alle Armeen, die beim sogenannten Ostfeldzug eingesetzt werden sollten, wies der Oberbefehlshaber des Heeres, Generalfeldmarschall von Brauchitsch, darauf hin, daß die Ausführung des Kommissarbefehls von den Richtlinien, die er in seinem Manneszucht-Befehl vom 24.5.1941 niedergelegt hatte, bestimmt sein müsse. Danach hatten die Offiziere zur Aufrechterhaltung der Disziplin und der Einsatzbereitschaft ihrer Einheit auf die strenge Einhaltung der Wehrmachtdisziplinarordnung und der Kriegssonderstrafrechtsverordnung zu achten.

Die Oberkommandos der Heeresgruppen erhielten den Kommissarbefehl nur nachrichtlich zur Kenntnisnahme. Die Behandlung der Kriegsgefangenen lag nicht in ihrer Zuständigkeit. Die drei Oberbefehlshaber der für den Rußlandfeldzug vorgesehenen Heeresgruppen sprachen sich jedoch ab, dafür zu sorgen, daß der Befehl nicht wortgetreu ausgeführt werde. Die Sabotage eines Hitler-Befehls konnte jedoch nicht aktenkundig gemacht werden. Deshalb unterließen sie schriftliche Gegenbefehle. Die ihnen unterstellten Befehlshaber wurden nur mündlich unterrichtet. Der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Nord, Feldmarschall Ritter von Leeb, schrieb immerhin, daß er den Befehl zwar nicht aufheben könne, aber „daß er auf seine Durchführung keinen Wert lege und seine Ausführung nicht nachkontrollieren werde“.[37] Fünfmal legte er dem OKH seine Bedenken gegen den Kommissarbefehl dar.

Bei der Beweisaufnahme im Nürnberger OKW-Prozeß stellte sich heraus, daß der Kommissarbefehl in der Tat weitgehend sabotiert worden war. Im Bereich zweier Armeen wurden im ersten Halbjahr des Ostfeldzuges etwa 200.000 Gefangene gemacht, aber lediglich 96 Kommissare als erschossen gemeldet. Um die Sabotage des Kommissarbefehls zu verschleiern, gaben einzelne Verbände Phantasiemeldungen ab, wie z. B. das XXXIX. Armeekorps am 16.11.1941 über die Erschießung von 22 Kommissaren. Auch im Kampf gefallene Kommissare wurden als erschossen gemeldet. Gegen die Meldepflicht, die im Kommissarbefehl zur Kontrolle der Durchführung enthalten war, gab es keine andere Möglichkeit als zu schwindeln. [38]

Wie die Oberbefehlshaber der Heeresgruppen betrieben auch die Armeeoberbefehlshaber die Aufhebung des Kommissarbefehls, allerdings mehr aus praktischen Gründen. Sie hatten bemerkt, daß die bloße Existenz des Befehls große propagandistische Auswirkungen in der Roten Armee hatte. Am 9.9.1941 schrieb das Armee-Oberkommando 2 (Generaloberst Guderian) an die Heeresgruppe Mitte (Feldmarschall von Bock): „Nach zahlreichen Feststellungen ist der zähe Widerstand der sowjetischen Truppen zu einem Teil dem scharfen Terror der politischen Kommissare und Politruks zuzuschreiben. … Diese Haltung der Kommissare ist nach den getroffenen Feststellungen vor allem darauf zurückzuführen, daß sie überzeugt sind, als Gefangene erschossen zu werden.“ Am 17.9.1941 verlangte der Kommandierende General des XXXIX. (mot) Armeekorps, Generaloberst R. Schmidt, der seinen Truppenkommandeuren die Ausführung des Kommissarbefehls ausdrücklich untersagt hatte, die sofortige Aufhebung des Befehls: „Solange die Kommissare sich gemeinsam gegen den sicheren Tod wehren müssen, werden sie wie Pech und Schwefel zusammenhalten. … Wenn aber der einzelne Kommissar weiß, daß er als Überläufer sein Leben retten kann, wird die innere Geschlossenheit des politischen Führerkorps aufhören.“ Aufgrund der Eingaben von den Frontverbänden und der persönlich vorgetragenen Einwände der Oberbefehlshaber der Heeresgruppen entschloß sich das OKH, die Aufhebung des Kommissarbefehls beim OKW zu verlangen. In dem Antrag vom 23.9.1941 heißt es: „Von Befehlshabern, Kommandeuren und aus der Truppe wird gemeldet, daß sich eine Lockerung des Kampfwillens auf russischer Seite dadurch erreichen lasse, wenn den Kommissaren, die ohne Zweifel die Hauptträger des erbitterten und verbissenen Widerstandes seien, der Weg zur Aufgabe des Kampfes, zur Übergabe oder zum Überlaufen erleichtert würde.“

Der Vorstoß des OKW bei Hitler scheiterte. Er verweigerte jede Änderung der bisher erlassenen Befehle, wie Generaloberst Jodl, Chef des Wehrmachtführungsstabes, nach seinem Vortrag bei Hitler am 26.9.1941 vermerkte. Da Stalin am 1.8.1941 den Kommissaren und Politruks das Ablegen des Sterns am Ärmel ihrer Uniformen befohlen hatte, war es nicht mehr möglich, die Betroffenen aus den riesigen Mengen von Gefangenen an der Front auszusondern. Das Heer ermächtigte deshalb am 7.10.1941 SD und Polizei, in den Kriegsgefangenenlagern im rückwärtigen Heeresgebiet nach ihnen zu suchen. Deren Aussonderungs- und Exekutionskommandos waren dort im wesentlichen auf Denunzianten angewiesen. Die Gefundenen wurden formal aus der Kriegsgefangenschaft entlassenen und der SS übergeben. Die Zahl der nach dem Kommissarbefehl umgebrachten sowjetischen Soldaten läßt sich auch nicht im entferntesten errechnen. Angaben, es seien 580.000 bis 600.000 gewesen, sind Unsinn.[39] Im Mai 1942 gab Hitler schließlich dem Drängen der Fronttruppe nach und setzte den Kommissarbefehl im Operationsgebiet außer Kraft. Auch die Sonderbehandlung der Kommissare und Politruks in den Kriegsgefangenenlagern wurde gestoppt.

Der sogenannte Gerichtsbarkeitserlaß vom 13.5.1941 („Erlaß über die Ausübung der Gerichtsbarkeit im Gebiet Barbarossa und über besondere Maßnahmen der Truppe“) schränkte die Befugnisse der Kriegsgerichte auf zweifache Weise ein: Zum einen gegenüber Freischärlern und zum anderen bei Straftaten von Soldaten gegenüber der Zivilbevölkerung.

Für Straftaten deutscher Soldaten gegen russische Zivilisten beseitigte der Barbarossabefehl den Verfolgungszwang. Sie sollten „grundsätzlich“ nicht bestraft werden. Die Divisionskommandeure behielten als Gerichtsherren ihres Verbandes jedoch das Recht, Verbrechen von Soldaten gegen die Zivilbevölkerung disziplinarisch zu ahnden. Kriegsgerichtliche Verfahren durften sie anordnen, „wenn es die Aufrechterhaltung der Manneszucht oder die Sicherung der Truppe erfordert“. Als Beispiele wurden im Befehl „schwere Taten, die auf geschlechtlicher Hemmungslosigkeit beruhen, einer verbrecherischen Veranlagung entspringen oder ein Anzeichen dafür sind, daß die Truppe zu verwildern droht“ genannt. Diese Ermächtigung räumte den Truppenführern den Spielraum ein, den sie brauchten. Die Sorge um die Disziplin gehörte zu den vorrangigen Aufgaben jedes Offiziers. Es gab keinen, der in dieser Frage ein Auge zudrückte. Deshalb arbeiteten die Feldgerichte der Divisionen auf dem Boden der UdSSR nach dem gleichen Muster wie bei den vorherigen Feldzügen. Neben den militärstrafrechtlichen Fällen, die nach dem Militärstrafgesetzbuch zu bestrafen waren, verfolgten sie die zivilstrafrechtlichen Fälle, die nach dem Reichsstrafgesetzbuch zu ahnden waren, z.B. Raub, Vergewaltigung, Brandschatzung. Von ihrer Disziplinarbefugnis machten die Kommandeure regen Gebrauch, um jede Dienstübertretung, die die Disziplin gefährden und ihre Kommandogewalt beeinträchtigen könnte, zu bestrafen. Außerdem fügte der Oberbefehlshaber des Heeres, Generalfeldmarschall von Brauchitsch, dem Barbarossabefehl am 25.5.1941 einen Zusatzbefehl an, der als „Manneszucht-Befehl“ bezeichnet wird. In der Truppe kamen beide gleichzeitig an. Der Zusatzbefehl schwächte den Barbarossabefehl noch einmal ab. Während dieser die Lockerung der militärischen Disziplin in Kauf nahm, schärfte der Brauchitsch-Befehl den Kommandeuren ein, die Manneszucht unbedingt aufrecht zu erhalten. Er zeigte auch den Freiraum auf, den der Barbarossabefehl der Truppenführung gab. Im Vertrauen auf die Strenge der Offiziere schrieb Brauchitsch: „Der einzelne Soldat darf nicht dahin kommen, daß er gegenüber den Landeseinwohnern tut und läßt, was ihm gutdünkt, sondern er ist in jedem Fall gebunden an die Befehle seiner Offiziere.“[40]

Ausschreitungen gegen die Zivilbevölkerung, wie ihn der Barbarossabefehl zulassen wollte, verstießen gegen das Verständnis vom Krieg, das die meisten Offiziere hatten. Der Oberbefehlshaber der 18. Armee, Generaloberst von Küchler, der im Polenfeldzug unerschrocken gegen die SS-Ausschreitungen Position bezogen hatte, sagte seinen Divisionskommandeuren am 18.4.1941, als er sie über den bevorstehenden Rußlandfeldzug informierte: „Die Landeseinwohner, gegen die wir ja nicht kämpfen, sind gut zu behandeln, ihr Eigentum ist zu schonen. Die Armee wird durch Flugblattpropaganda den Gedanken und die Absicht der Befreiung der Länder von dem bolschewistischen Joch den Landeseinwohnern klarzumachen suchen. Sollten die Einwohner sich am Kampf gegen uns beteiligen, was aber nach allen Nachrichten nicht anzunehmen ist, so werden sie als Franktireurs behandelt und den entsprechenden Strafen zugeführt.[41] Generalfeldmarschall Fedor von Bock, Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte beim Angriff gegen die Sowjetunion, fand den Barbarossabefehl „in dieser Form untragbar und mit der Manneszucht nicht vereinbar“ und beauftragte den Chef des Stabes, dies dem Oberbefehlshaber des Heeres (von Brauchitsch) mitzuteilen. Am 7.6.1941 rief ihn von Brauchitsch persönlich an und sagte, „daß man das, was ich wolle, aus der Verfügung herauslesen könne, und daß sie so gemeint sei, wie ich sie ausgelegt wissen wolle, das heißt: Für die Truppe ändert sich in der Behandlung von Straftaten gegen Zivilpersonen nichts! Die Gerichtsherren entscheiden, ob eine Tat gerichtlich zu ahnden ist oder nicht; dabei soll die Aufrechterhaltung der Manneszucht eine entscheidende Rolle spielen.“[42]

In der Luftwaffe wurde der Erlaß vom 13.5.1941 überhaupt nicht bekanntgegeben. Am 20.5.1941 entschied Göring nach einem Vortrag seines Chefrichters Christian Freiherr von Hammerstein, den Befehl zu ignorieren, weil die Luftwaffe in den besetzten Gebieten keine Territorialbefugnisse habe und die Beachtung der Manneszucht für die Nichtanwendung spreche. Bei Plünderungs- und Notzuchtfällen plädierte er sogar für eine besonders scharfe Handhabung der Kriegsgesetze. Der Briefumschlag mit dem Barbarossabefehl landete im Panzerschrank des Chefs des Stabes des ObdL. Der Befehl wurde in der Luftwaffe nicht praktiziert. Im Gegenteil: Im Einverständnis mit Göring und dem Luftwaffenchefrichter wurden die Straftaten gegen die Zivilbevölkerung mit besonderer Härte geahndet. In seinen Erinnerungen schrieb von Hammerstein 1957: „Mehrere Urteile, durch die Luftwaffenangehörige wegen Notzucht an Russenfrauen, ja auch an Jüdinnen -die höheren Orts für vogelfrei galten -, zu Zuchthausstrafen verurteilt waren, sind von Göring aufgehoben [worden], weil er im Interesse der Manneszucht die Todesstrafe für unerläßlich hielt. Plünderungen im Feindgebiet wurden mit schweren Zuchthausstrafen, bei den Rädelsführern mit dem Tode bestraft. Wie im Westen, so wurden auch in den besetzten Gebieten Rußlands Todesstrafen, die wegen Verbrechen gegenüber der Bevölkerung erkannt waren, am Orte, wo die Tat begangen war, vollstreckt oder doch – wenn das nicht möglich war – der Bevölkerung die Vollstreckung durch auffallende Maueranschläge bekanntgegeben, um ihr zu zeigen, daß sie gegen Gewalttätigkeiten geschützt werde.“[43]

Weder aus dem Barbarossabefehl noch aus seiner Handhabung kann abgeleitet werden, daß die deutschen Soldaten an der Ostfront freie Hand hatten, mit Zivilisten nach Gutdünken umzuspringen. Es war dem Oberbefehlshaber des Heeres gelungen, die Sühnung von Zivilstrafvergehen in vernünftige Bahnen zu lenken, indem er die Truppenführer vor Ort ermächtigte, schwere Fälle kriegsgerichtlich und leichtere disziplinarrechtlich zu ahnden. Das stellte praktisch eine Umgehung des Führerbefehls dar. Was Göring tat, war schlichtweg Gehorsamsverweigerung gegenüber einem Führerbefehl. So etwas konnte nur er sich erlauben. Auch in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen wurde bestätigt, daß sich der Barbarossabefehl nicht negativ auf die
Gerichtsbarkeit über deutsche Soldaten ausgewirkt habe, weil die Gerichtsherren ihre Funktion wie bisher wahrnahmen.[44]

Das Zeugnis der Militärseelsorger

Im Reichskonkordat zwischen dem Deutschen Reich und der Kurie vom 20.7.1933 gestand Hitler den zur Armee gehörenden katholischen Offizieren, Beamten und Mannschaften sowie deren Familien eine exempte Seelsorge zu. Zum Leiter des Militärseelsorgewesens wurde vom Papst im Einvernehmen mit der Reichsregierung Franz Justus Rarkowski bestimmt. Während des Zweiten Weltkriegs übten etwa 900 katholische Geistliche die Seelsorge in der Wehrmacht aus, unter ihnen 500 hauptamtliche Kriegspfarrer. Neben ihnen betreuten etwa 10.000 Ordensleute und Kleriker ab der Subdiakonsweihe ihre Kameraden als „Priestersoldaten“, entweder in der Funktion von Sanitätern oder als Soldaten der kämpfenden Truppe. Obwohl ihnen offiziell seelsorgliche Funktionen verboten waren, ließ sich ihr Tun in der Praxis nicht kontrollieren. Selbst in einigen Divisionen der Waffen-SS gab es Militärpfarrer.[45] Insgesamt gab es etwa 20.000 Priestersoldaten in der Wehrmacht: Welt- und Ordenspriester, Priesteramtskandidaten und Ordensbrüder.[46] Die Zahl der evangelischen Pfarrer und Pfarramtskandidaten betrug etwas weniger als 10.000.[47]

Welche Haltung nahmen diese Seelsorger, Verkörperungen des christlichen Gewissens, zu den angeblichen fürchterlichen Greueltaten der Einheiten ein, in denen sie Dienst taten? Es gibt keine Zeugnisse ihres Unwillens, ihrer Bestürzung oder ihres Abscheus, weder offizielle noch private. Die Seelsorger hatten auf dem Militärgeistlichen Berichtsweg die Möglichkeit, darüber zu schreiben, ohne daß ein militärischer Kommandeur etwas davon erfuhr. Von irgendwelchen Protesten des Feldbischofs gegen die Vorgehensweisen der Truppe beim OKW oder gar bei Hitler ist nichts bekannt. Es ist wohl anzunehmen, daß er irgendwelche Schritte unternommen hätte, wäre ihm von den Abscheulichkeiten berichtet worden, die passiert sein sollen. Erhalten sind zwei Beschwerden. Sie richteten sich gegen das Treiben der SS- und Polizeiverbände in der Nachbarschaft von Heereseinheiten und stammen von den beiden Divisionsgeistlichen und den Pfarrern der Kriegslazarettabteilung 4/607 der 295. Infanteriedivision. Ob sich unter den Akten, die der katholische Feldgeneralvikar Werthmann 1945 nach der Auslagerung des Archivs des Feldbischofs nach Bamberg vernichtete, weitere Meldungen befanden, wissen wir nicht.

Die Zusammenarbeit zwischen dem OKW und dem katholischen Feldbischof war bis zum Ende des Krieges ungetrübt. Er setzte 1941 die neue Bestattungsverordnung der Wehrmacht durch, die auch für die Waffen-SS galt. Bei den Begräbnissen von Gefallenen wurden die christlichen Symbole beibehalten: für jeden einzelnen Gefallenen ein Kreuz mit Namen und näheren Angaben oder ein gemeinsames Kreuz bei Massengräbern. Das Hirtenwort der bayerischen Bischöfe vom 12.8.1941, das von allen Kanzeln verlesen wurde, sagte wörtlich: „Von ganzem Herzen danken wir und mit uns wohl das ganze deutsche Volk der Wehrmacht für diese feinfühlige Pflege der Ruhestätten der toten Kameraden.“ Ähnliche Dankbarkeitsäußerungen liegen auch vom Erzbischof von Freiburg, Conrad Gröber, vom Münsteraner Bischof Clemens August Graf von Galen und vom Bischof von Trier, Franz Rudolf Bornewasser, vor.

Angesichts des guten Verhältnisses zwischen Rarkowski und dem OKW ist es unwahrscheinlich, daß er in Kenntnis von deutschen Greueltaten nicht Protest erhoben hätte, wären ihm die Ungeheuerlichkeiten zu Ohren gekommen, die heute der Wehrmacht unterstellt werden. Offensichtlich war er überzeugt, daß die Kriegführung der Wehrmacht in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht stand.

Als der Krieg zu Ende war, schrieb der Münchner Kardinal Faulhaber am 10.5.1945 folgendes Hirtenwort: „Geliebte Diözesanen! Wir werden unsere Soldaten, soweit sie jetzt aus dem Feld heimkehren, mit einem dankbaren Willkommgruß empfangen. Diese braven Männer haben für die Heimat jahrelang Untragbares ertragen und Unsagbares durchgemacht. Manche von ihnen werden in den Nerven zerrüttet und für den Übergang auf nachsichtige, geduldige Liebe angewiesen sein. Der allmächtige Gott verleihe auch unseren Gefangenen baldige Heimkehr und unseren Brüdern, die ihr Leben geopfert haben, die ewige Ruhe.“ Räuber, Mörder und Notzüchter begrüßt man anders.

18. Vgl. Joachim Ludewig: Generaloberst Blaskowitz im Zweiten Weltkrieg, in: Militärgeschichtliche Beiträge, Hamburg 1995, S. 14 ff.
19. Richtlinien auf Sondergebieten zur Weisung 21
20. Vgl. Jürgen Förster: Zur Rolle der Wehrmacht im Krieg gegen die Sowjetunion, in: aus Politik und Zeitgeschichte 45/1980, S. 5
21. Die Rechtsprechung der Nürnberger Militärtribunale. Sammlung der Rechtsthesen der Urteile und gesonderten Urteilsbegründungen der dreizehn Nürnberger Prozesse, hrsg. von Kurt Heinze und Karl Schilling, Bonn 1952, S. 282, Nr. 1299
22. Vgl. Die Rechtsprechung der Nürnberger Militärtribunale (wie Anm. 21), S. 282, Nr. 1300
23. Vgl. Hans Laternser: Verteidigung deutscher Soldaten. Plädoyers vor alliierten Gerichten, Bonn 1950,S.43
24. Offiziere gegen Hitler, Torgau 1945, Historiký ustav Armady Ceské republiky, Akten Reichskriegsgericht
25. Vgl. Erich Hesse: Der sowjetische Partisanenkrieg 1941-1944, Göttingen 1993, S. 25
26. Vgl. Die Rechtsprechung der Nürnberger Militärtribunale (wie Anm. 21), S. 229, Nr. 1063
27. Vgl. Raymond L. Garthoff: Die Sowjetarmee. Wesen und Lehre, Köln 1955, S. 59
28. Vgl. Heinrich Uhlig: Der verbrecherische Befehl, in: Vollmacht des Gewissens, hrsg. von Europäische Publikation, Band 2, Frankfurt u.a., S. 305
29. Vgl. Hermann Dieter Betz: Das OKW und seine Haltung zum Landkriegsvölkerrecht im Zweiten Weltkrieg, Jur. Diss. Würzburg 1970, S. 198 ff.
30. Vgl. Heinrich Uhlig (wie Anm. 28), S. 307
31. Vgl. Hermann Dieter Betz (wie Anm. 29), S. 177
32. Vgl. Aussage Wassilij Kisilow, in: Erich Kern: Verbrechen am deutschen Volk. Eine Dokumentation alliierter Grausamkeiten, Preußisch Oldendorf 1983, S. 120
33. Vgl. Joachim Hoffmann, Stalins Vernichtungskrieg 1941 bis 1945, München 1995, S. 91
34. Vgl. Joachim Hoffmann (wie Anm. 33), S. 91
35. Erich von Manstein: Verlorene Siege, Koblenz 1987, S. 176 f.
36. Rudolf Aschenauer: Kriegsbefehle, Maschinenmanuskript, München 1964, S. 10
37. Vgl. Records of the Nuremberg War Crimes Trials, hrsg. von National Archives Trust Fund Board, case IX, Washington 1973-1979, S. 2322
38. Vgl. Heinrich Uhlig (wie Anm. 28), S. 289 ff.
39. Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 4: Der Angriff auf die Sowjetunion, hrsg. Vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt, Stuttgart 1983, S. 1067
40. Vgl.Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion. ‚Unternehmen Barbarossa‘ 1941, hrsg. von Gerd R. Ueberschär und Wolfram Wette, Frankfurt 1991, S. 253 f.
41. Bundesarchiv/Militärarchiv 20-18/71
42. Generalfeldmarschall Fedor von Bock. Zwischen Pflicht und Verweigerung. Das Kriegstagebuch, hrsg. Von Klaus Gerbet, München 1995, S. 190 und 192
43. Vgl. Christian Frhr. von Hammerstein: Mein Leben, geschrieben für meine Frau und meine Kinder, meinemSchwestern und meine Freunde, Privatdruck 1957, IfZ ED 84, S. 121 ff.; Eidesstattliche Erklärung Nr. 505 im OKW-Prozeß, in: Archives of the IMT, Laternser-Dokumente, Friedenspalast Den Haag
44. Vgl. Otto Peter Schweling: Die deutsche Militärjustiz in der Zeit des Nationalsozialismus, Marburg 1977, S. 348 ff.
45. Vgl. Kirchlicher Auftrag und politische Friedensgestaltung. Festschrift für Ernst Niermann, Generalvikar 1981-1995, hrsg. von Alfred E. Hierold und Ernst Josef Nagel, Stuttgart u.a. 1995
46. Priester in Uniform. Seelsorger, Ordensleute und Theologen als Soldaten im Zweiten Weltkrieg, hrsg. Vom Katholischen Militärbischofsamt und Hans Jürgen Brandt, Augsburg 1994, S. 7
47. Vgl. Priester in Uniform (wie Anm. 46), S. 11

Anmerkung MI: Wenn bereits die ersten zwei Kapitel des Buches „Die Verbrechen gegen die Wehrmacht“ fast jede Lüge eine verbrecherischen Krieges entlarvt, wie steht es dann zu anderen Ereignissen im Deutschen Reich und der Führung der Nationalsozialisten? Kommen wir allen Lügen auf die Spur, ohne dabei parteiisch sein zu müssen? Lesen Sie im nächsten Artikel die völkerrechtswidrigen Taktiken und völkerrechtswidrige Kriegsführung der Roten Armee.

Bei allem was Sie lesen, sollten Sie prinzipiell vorbehaltlos sein! Zu jeder Aktion gehört immer eine Reaktion. Ob diese sich dann als richtig erweist, erfährt man stets nur in der Zukunft.

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Ubasser

2 Antworten zu “Die Verbrechen an der Wehrmacht – 2 Teil

  1. neuesdeutschesreich 15. Januar 2015 um 23:00

    Hat dies auf neuesdeutschesreich rebloggt.

  2. johannes3v16 15. Januar 2015 um 19:37

    Hier ist Teil 1 auf Archive.org
    https://archive.org/details/VerbrechenAnDerWehrmacht-FranzSeidler1997
    Findet sich auch auf Scribt.com.
    Aber der 2. Teil die Jahre 42 bis 43 ist dort nicht zu finden.
    Selbst auf booklooker.de, wo man aus einen Pool von Händlern, auch gebrauchte Bücher kaufen
    kann kostet das natürlich wieder ein Vermögen. Ein Indikator..
    http://www.booklooker.de/B%C3%BCcher/Seidler+2-x-Verbrechen-an-der-Wehrmacht-Kriegsgreuel-der-Roten-Armee-1941-42-Kriegsgreuel-der-Roten/id/A01Hxt9H01ZZP

    Schwarze Propaganda Bücher die von angeblichen Gräueltaten der Wehrmacht schreiben, bekommt man für 3 €..
    Wie auch immer, der Massenmord, Genozid, wurden vor allen gegen die deutsche Zivilbevölkerung begangen und der hörte auch mit dem 2. WK nicht auf!!

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