Lieber Weihnachtsmann

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23. Dezember 2015 von UBasser


lieber-weihnachtsmannLieber Weihnachtsmann,

dieses Jahr haben wir keine Wünsche. Wir wissen, Du hast viel zu tun, so wie Du nur mit einem Rentierschlitten Milliarden Menschen bescheren mußt, in nur einer Nacht, auch, wenn es Zeitzonen gibt. Und nebenbei mußt Du noch Werbung machen, für Coca Cola, zum Beispiel,  und immer lächeln. Da möchten Gretel, das ist meine Schwester, und ich, der Hänsel, Dich ein wenig entlasten. Also brauchst Du bei uns keine Sachen abwerfen oder durch den Schornstein kriechen, der sowieso zu eng wäre.

Aber, lieber Weihnachtsmann, Du hast doch bestimmt so Beziehungen. Zum Sandmann vielleicht? Könntest Du ihn dann bitten, daß er uns endlich aus dem Albtraum erwachen läßt, der sich parlamentarische Demokratie nennt? Der dauert schon bald 70 Jahre und fühlt sich wie eine Ewigkeit in der Hölle an. Obwohl wir nicht wissen, wie sich die Hölle anfühlt, es soll aber schlimm sein. So wie hier.

Oder Du besorgst einen Bundeswehr – Tornado und läßt ihn auf die böse Hexe des Ostens fallen. Wenn der Sandmann keine Zeit hat oder keine Lust oder es seine Möglichkeiten übersteigt..

Papa und Mama schauen bereits seit längerem etwas unheimlich drein und Gretel hat gestern Mama flüstern hören, wie schön es doch wäre, schwarze oder gelbe Kinder zu haben. Deren Augen würden auch immer leuchten. Vor Dankbarkeit. Gretel sagt, das würde von den Poltergeistern im Fernsehen kommen, dem die Eltern vom Feierabend bis zur Bettruhe verfallen sind. Und daß sie auch schon Stimmen gehört hat.

Ich muß jetzt schließen, denn wir gehen gleich mit Papa ganz tief in den Wald, einen Baum schlagen. Das haben wir noch nie gemacht und wir sollen uns schön warm anziehen.

Wir hoffen auf Dich, lieber Weihnachtsmann und auch auf den Sandmann. Auf den ganz besonders. Und wünschen allzeit einen guten Flug. Und halte Dich vom türkischen Luftraum fern. Damit es auch im nächsten Jahr Weihnachten gibt.

Liebe Grüße.

Deine Gretel und Dein Hänsel.

Quelle: Karl Eduards Kanal

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Ubasser

5 Kommentare zu “Lieber Weihnachtsmann

  1. GvB sagt:

    Karl Hoeffkes – Weihnachten1940 (in Farbe)

    ..wünsche allen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start in das Jahr 2016!

  2. GvB sagt:

    @Waffenstudent.. Sehr gut, das mal zu beschreiben bzw. darzulegen.Ich habe ähnliches erlebt.. mit der Mitteldeutschen Verwandtschaft.
    Der Riss ging damals durch die gesamtdeutschen Familien.. „Schwarze Socken-rote Socken“ und später Wendehälse 🙂
    Ausnahme war meine geliebte Grossmutter aus Thüringen… und meine Jenaer Cousinen.
    Meine Mutter, (ist ’45 aus Thüringen abgehauen) da meine Grossmutter russ. Sowjet-Offiziere einquartiert bekam!…hat immer bis in die Ende 80iger Jahre selbstgebackene Christstollen, Kaffee, Butter usw , usw- also 3 dicke Weihnachts-Pakete nach Sondershausen, Halle und Jena geschickt..Dabei waren wir hier im Westen selber ne 5-köpfige Familie..
    Ein Hallenser Cousin forderte von mir laufend Musik-Schallplatten.Damals war ich gerade im Begriff ne Familie aufzubauen und machte mich gerade selbständig mit ner Firma und ein Wunschkind war unterwegs..also war auch nicht soviel Geld für sowas da. Ich selber gönnte mir keine Schallplatten..etc.
    Bei div. Besuchen in der DDR zeigten sich gewisse Animositäten bei meinen Cousins und Cousinen.. Man merkte die Indoktrination in der Schule:
    „Wir BRD-ler..(Grenzschutz u. Bundeswehr) würden ja die DDR-Grenze angreifen usw. usw. So ein Bullshit!Deswegen gäbe es den „sozialistischen Schutzwall“.. 🙂
    Nun ..ist diese Zeit lange vorbei und Kontakte zu allen EX-DDR-Cousins, Cousinen, verbliebenen Onkels und Tanten sind vorbei.. denn man dreht sich um sich selber.. reiste viel in der Welt herum(Nachholbedarf, kann ich verstehen)..und einige sind in Calw oder Krefeld(also im „bösen Westen“) gelandet…
    Sie habens geschafft hier Fuss zu fassen..sei es als Zahnärztin im Konsum-und Reiserausch oder einer(der mit den Schallplatten) ist heute Bademeister und Tauchlehrer..allerdings ist er seiner „Überzeugung“ treu geblieben und bei der LINKEN Partei gelandet ..

    Was solls. Schwamm drüber..

  3. Waffenstudent sagt:

    Grenzenlose Nachkriegsweihnacht nach 1945

    Weihnachten von 1953 bis 1983: In dieser Zeit verschickten wir aus der Trizone regelmäßig an Verwandte und uns nahe stehende Menschen jenseits des sogenannten Eisernen Vorhanges in der Adventszeit Pakete. Begonnen wurde bei uns mit diesem Brauch nach dem Beginn des Koreakrieges. Die Pakete in den polnisch und tschechisch besetzten Teil hat man regelmäßig ausgeplündert. Weil wir eine Packliste mitschickten, erhielten wir Monate später, meist erst zu Ostern ein knappes Dankschreiben, mit dem Hinweis, daß Kölnisch Wasser, Tabakwaren, und der Geldschein nicht angekommen waren. Der Zoll im Ankunftsort hatte diese Dinge einfach beschlagnahmt! Dabei hatte sich unsere Familie diese Gaben am eigenen Munde abgespart. Dazu war damals jeder einzelne Paketversand mit großem organisatorischen Aufwand verbunden. Geärgert habe ich mich immer über die äußerst kurzen Antworten. Da stand nichts drin, wie es den Empfängern privat, beruflich oder sonst wie geht, wer gestorben oder geboren wurde. Trotzdem wurde die Aktion regelmäßig jeden Weihnachten wiederholt, und regelmäßig kamen wieder Parfüm, Tabak und Geld in die Pakete. Ganz ohne familiären Widerspruch in der Trizone blieb dieser finanzielle Kraftakt natürlich nicht; denn alles was in den Osten ging, das fehlte natürlich zuhause. Wie nahe müssen sich die Menschen damals noch seelisch über alle Grenzen hinweg gestanden haben?

    Nach der von der BRD gewonnen Fußballmeisterschaft anno 1974 änderte sich das Verhalten zwischen DDR und BRD merklich. Über unsere Ostzonen-Verwandten gibt es daher noch folgendes zu berichten:

    In einem der letzten Jahre kamen nach Weihnachten statt Dankesbriefen solche mit Beschwerden, weshalb wir ihnen denn „billige No-Name-Produkte“ statt der – durch West-TV bekannten – Markenprodukte geschickt hätten. (z.B. Nutoka-Creme vom Aldi statt der echten Nutella, keine Jacobs-Krönung sowie Jeans vom C&A statt echter Lewis usw.). Meine Mutti war ziemlich verärgert seinerzeit, wir waren 5 Kinder zu Hause und sind schon seit jeher mit den Hausmarken der einzelnen Märkte zufrieden gewesen!

    Als dann im folgenden Herbst keine Wunschzettel, sondern regelrechte Bestellisten – natürlich alles vom Feinsten – per Post bei uns eintrudelten, haben wir unseren Liebesgabenversand auch beendet und uns unseren Teil gedacht. Nach der Wende tat man drüben so, als kenne man uns nicht, keinerlei Versuch einer Kontaktaufnahme, nicht von meinen Tanten und Onkeln, geschweige denn von Vettern und Basen! Mutti sagte: laß sie, wer nicht kommt, braucht nicht zu gehen.

    Aus Schlesien und dem Sudetengau kamen nie solche Briefe

    Das kann ich mir gut vorstellen. In unseren Verwandten-Kreis war das aber nicht so. Aber Mecklenburger waren schon immer bescheidener. Besonders anspruchsvoll sollen jene aus Berlin und Umgebung sowie aus den Großstädten gewesen sein. Ich habe mich auch immer über die Ansprüche meiner EX-Alten geärgert. Sie meine gar, sie hätte einen gesetzlichen Anspruch darauf.

    ERSTENS:

    Ich habe diesen Beitrag an mehreren Stellen platziert, unter anderem auch bei Polskaweb. Dort erhielt ich nachfolgende Antwort:

    Polskaweb meint zum Staatsklau aus Weihnachspaketen und anderen Paketsendungen in den Staaten jenseits des Eisernen Vorhanges“: (Anscheinend wurde von den Staatsdienern damals viel geklaut!)

    Völlig richtig, was Sie sagen, aber bitte berücksichtigen Sie auch das strafrechtliche Merkmal des „sich zueignens“.
    Wenn Sie z.B. bei ALDI etc.pp. etwas „mitgehen“ lassen würden, dann hätten Sie es sich rechtswidrig zugeeignet, ohne Rücksicht darauf, ob Sie es Ihrer Tante oder Onkel übergeben hätten. Wenn ein Finanz- oder Zollbeamter einen Bürger bescheißt, dann hat er es im Auftrage des Staates getan, es sich also nicht zugeeignet.

    BGH GSSt 1/95 – Beschluss vom 25. Juli 1995
    BGHSt 41, 187; Strafbarkeit eines Funktionärs der DDR, der veranlasste, dass Gelder aus Postsendungen entnommen und an die Staatskasse abgeführt wurden, wegen Unterschlagung (Merkmal des „sich zueignens“).
    § 246 StGB a.F.
    Leitsatz des BGH
    Gesetzliche Voraussetzung der Unterschlagung (§ 246 StGB) ist, dass der Täter eine Sache „sich“ zueignet. Ein Funktionär der DDR, der veranlaßte, daß Gelder aus Postsendungen entnommen und an die Staatskasse abgeführt wurden, erfüllte dieses Merkmal nicht. (BGHSt)
    Entscheidungstenor
    Gesetzliche Voraussetzung der Unterschlagung (§ 246 StGB) ist, daß der Täter eine Sache „sich“ zueignet. Ein Funktionär der DDR, der veranlaßte, daß Gelder aus Postsendungen entnommen und an die Staatskasse abgeführt wurden, erfüllte dieses Merkmal nicht.

    ZWEITENS:

    Überall wurde darauf hingewiesen, daß die „Wessis“ es nur den „Ossis“ zu verdanken hätten, daß die deutsche Idendität die Zeit der Umerziehung überstehen konnte. Alle „Ossis“, die meinten, zum Thema etwas beitragen zu sollen, die verwiesen auf den angeblich überall sichtbaren deutsch-nationalen Charakter der „DDR“. Besonders der Bürgerfleiß in der Zone wurde von ihnen immer wieder betont.

    Ich dagegen machte ganz andere Erfahrungen: Mein Vetter aus der SBZ besuchte uns mit seiner Mutter anno 1952 im Siegerland. Ich hatte mir gerade den Unterarm gebrochen, und daher hat sich unsere Begegnung bei mir im Gedächtnis eingebrannt. Anläßlich seines Jubiläums hat mein Onkel diesen Vetter, der damals in Spremberg wohnte eingeladen. Die Schneekatastrophe in Norddeutschland war gerade dabei abzuklingen, als wir uns trafen. Ich übergab ihm damals meine ganzen Einnahmen, welche ich durchschnittlich monatlich als freier Handelsvertreter verbuchen konnte. Meine Frau war entsetzt, als ich sie von meinem Vorhaben unterrichtete; denn auch wir hatten vier Kinder. „Der arme Kerl wurde doch sein ganzes Leben lang nur geprügelt: Erst verläßt der leibliche Vater seine attraktive Mutter in Mitteldeutschland, um eine Schlampe im Westen zu heiraten, dann regieren die Russen seine Heimat und jetzt sitzt er verheiratet, aber verarmt in der der Zone!“ meinte ich. Und so kam es zur Geldübergabe an meinen etwas älteren SBZ-Vetter mitsamt verschiedenen Dreingaben. Unsere Unterhaltung war nur kurz, aber herzlich, und ich habe mich sehr gefreut als ich ihn wiedersah. Überhaupt nicht gefreut habe ich mich dagegen über die Tatsache, daß mein Spremberger Vetter bei allen Verwandten welche er während seines Kurzurlaubes im Siegerland traf, betonte, daß ich ihm überhaupt nichts geschenkt habe. Gut, damit konnte ich leben, gar nicht lustig fand ich dagegen, daß der Vetter bei seiner Abreise ins „Ossiland“ mir gegenüber nochmals ausdrücklich betonte, daß ich der einzige Westverwandte gewesen sei, der ihm einige Westmark geschenkt habe. Dabei weiß ich von meiner Mutter ganz genau, daß nicht nur sie, sondern auch viele andere Blutsverwandte den damals vereinfacht als „Kommunist“ bezeichneten Besuch aus Spremberg mit Bargeld versorgten. Nach dem Mauerfall trafen wir uns nochmal im Westen. Und da war ich menschlich zutiefst von ihm enttäuscht: Er war nach meinem Dafürhalten ein seelischer Krüppel und ein langjähriger Stasimitarbeiter. Und das war er in der Tat, wie seine damalige dritte Ehefrau mir nach ihrer Scheidung von meinem Herrn Vetter aus Spremberg im Ossiland gestanden hat. Der Wert des Deutschen Vaterland bestand bei ihm nur aus Westgeld. Und für Geld war jener zu jedem Verbrechen bereit! Man, was hat man nur aus den Menschen in der Zone für käufliche, erbärmliche seelische Kreaturen gemacht!

    NACHKRIEGSWEIHENACHT IM SBZ – JUNKERLAND:

    In einem anderen Forum las ich zu diesem Thema: (Es folgt ein Plagiat) Ich persönlich kann mich an eine Begebenheit (in der SBZ) erinnern: Auch wir erhielten Päckchen mit Kaffee, Schokolade, einen guten Weinbrand und weil es uns ja sooo schlecht geht, mehrere Tüten Gräupchen. Meine Großmutter war darüber schon erbost, da genau die (West-) Verwandten welche bei uns zu Besuch kamen mit Wildbret oder Edelfisch versorgt wurden. Also sie wußten nur zu gut, es ging uns gut. Und genau die Verwandten forderten von uns ein unterwürfiges Dankeschön für die ach so teuren Päckchen. Und sie hätten es gar zu gerne gesehen und gehört, wenn nur einer von uns darum gebeten hätte sich an das Lenkrad ihre Mercedes setzen zu dürfen. Nur das ein Wildbret, oder ein Aal wesentlich tuerer war als ein gesamtes Weihnachtspäckchen, das sah man so nicht, bzw. wollte das nicht sehen. Aber meine Oma war auch keine Dumme. Als sich der Besuch wieder einmal ankündigte, was meint ihr was es da zu speisen gab? Gräupchensuppe im Goldrandteller mit Silberlöffel und ein Kristallweinglas voll mit einem edlen Tropfen aus dem Ostblock. Die Gesichter sprachen Bände (Persönliche Nachfrage: Woher kommen die Goldrandteller, Silberlöffel und Kristallglasweingläser?)

    NACHRIEGSWEIHENACHT IM BRD – ARBEITERLAND:

    (Man unterscheide nicht nur Wessis/Ossis sondern auch Bonzen/Malocher)

    Also Weihenacht mit Wildbret oder Edelfisch und ähnlichen Delikassen, wie oben beschrieben habe ich nie kennen gelernt. Bei uns fuhr auch niemand ein Bonzenauto, und die Aufwendungen für Geschenkpakete, die konnten wir nie von den Steuern absetzen. Auch ein silbernes Eßbesteck, das besitzen wir bis heute noch nicht! Eigentlich gaben und geben wir aktuell weniger zum Leben und für Kleidung aus, als ein Hartz-4 Empfänger. Und so einfach bin ich aufgewachsen. Pellkartoffeln gehören zu meiner Leibspeise. Meine Großeltern und Eltern waren tatsächlich ganz bescheidene deutsche Idealisten, die es nie verwinden konnten, daß ihr Vaterland 1919 und 1945 besiegt wurde. Und wenn man unsere Männer mit siebzig noch mal zum Volkssturm gerufen hätte, sie wären pflichtbewußt eingerückt. Im ersten Weltkrieg gaben meine Vorfahren in Wien ihr ganzes Vermögen für Staatanleihen aus. Das taten sie nicht aus Gewinnsucht, sondern in der Hoffnung, daß dadurch der Krieg möglicherweise doch noch gewonnen werden könnte. Darüber verarmten sie, und kamen auch nie wieder über Lebensstandart eines Arbeiterbauern hinaus. – Ich lernte später auch die Familien der von Bismarck, Schwerin, die Grafenfamilien von Luedecke und zu Dona sowie weitere Junkerfamilien kennen. Und bei denen war es in der Tat so, daß sowohl deren Teil in der Westzone als auch deren Teil in der Ostzone einen üppigen Lebensstandart zelebrierten, der mir fremd war. Gut, im Gegensatz zu uns, hatten die den Krieg 1945 noch nachträglich gewonnen und wurden von Berlin und Bonn mit Siegprämien und Schweigegeld alimentiert.

    FUNDSACHEN:

    1. Nachkriegskind45 sagte im (Lopocattivoblog)

    Meine Großeltern sind im großen Flüchtlingstreck (Ende 44?) aus Ostpreußen nach Westdeutschland in die amerikanisch besetzte Zone gekommen. Wir haben dann in der Nachkriegszeit als Großfamilie wirklich “zusammen” gelebt, es gab viele wunderbare Familienfeste in bescheidenen aber herzlichen Rahmen, die Weihnachten waren von einer ehrfürchtigen Traurigkeit bestimmt. Da standen dann Oma Emma und Opa Karl und Onkel Fritz und Tante Else u.v.a. mit feuchten Augen und schauten sich sehr bedeutungsvoll an, umarmten sich und sagten garnichts, es wurde nie über irgendetwas aus der der vergangenen Zeit geredet. Heute kann ich mir vorstellen, was in ihnen vorging, aber was sie erlebt haben, weiß niemand sonst. Diese Nachkriegszeit, die ja auch meine “ärmliche” Kindheit war, war die schönste Zeit in meinem Leben! Wenn ich diese Erinnerungen mit dem heutigen Leben und der Gesellschaft vergleiche, bekomme ich das kalte Grausen! Armes Deutschland!!

    1. Venceremos sagte im (Lopocattivoblog)

    Aus meiner frühen Kindheit auf dem Land in den 50ern kenne ich auch noch das enge Zusammenleben von Familien mit vielen Kindern, die aus den deutschen Ostgebieten vertrieben worden waren. In unserem Haus (Wohnbereich der Dorfschule) waren außer uns noch drei ‘Partien’ untergebracht. Für die Erwachsenen war es schwer, wir Kinder haben aus der ärmlichen Zeit das Beste gemacht ; es war alles voller Leben: Spielen, Toben, Theater spielen, Musik, gemeinsame Feiern. Ich habe es auch als glückliche Zeit erlebt genau wie Du (Nachkriegskind). Die meisten Kinder haben sich trotz (oder gerade wegen?) der Dorfschule sehr gut entwickelt später im beruflichen Leben. Die meisten Flüchtlingsfamilien zogen, als es bergauf ging im Land, in die Ballungsgebiete, wo die Kinder Karrieren machen konnten und sie waren ehrgeizig. Bei späteren Schülertreffen und Feiern mit dem alten Dorfschullehrer (es hat die Leute magisch immer wieder zu diesem Ort gezogen – das war etwas Einmaliges in unserem Dorf) habe ich diesbezüglich große Überraschungen erlebt. Die schönsten und fantasievollsten Geschichten erzählte mir ein älterer Herr, der aus Schlesien stammte, und seine Frau stellte währenddessen die herrlichsten Klöppelarbeiten her (Heimarbeit!). Von Greueltaten haben die Leute damals nichts erzählt. Sie waren mit Überleben beschäftigt und schwiegen. Mein Vater erzählte mir, dass er in 46 / 47 mit Vätern von Flüchtlingfamilien nachts auf den Äckern Kartoffeln klauen ging – so knapp war die Versorgung – und die pflanzten die Sträucher dann wieder ein. Stunk gab’s erst, als die Bauern später die welkenden Stellen entdeckten. Ein Mann (Flüchtling) nahm sich als Brotzeit ein eingewickeltes Stück Holz in den Steinbruch mit, damit die anderen nicht sehen sollten, dass er nichts zu essen hatte. (In dieser Beziehung war die Landbevölkerung nicht allzu freigiebig!) Hab ich nie vergessen, diese Erzählung. Wenn ich heute darüber nachdenke, was die heimatvertriebenen Menschen an Traumata und Schmerz mit sich herumtrugen, denke ich, dass man jetzt noch alles festhalten sollte an authentischer Information, was noch zu retten ist und sei’s aus der Erinnerung anderer oder durch ihre Kinder, die noch Wissen haben. Da müssen noch einige Bücher geschrieben werden, das sind wir diesen Menschen schuldig, finde ich, es darf nicht vergessen werden, umso mehr, wo heute so vieles durch Lüge und Falschinformation entstellt wird. Man sollte wirklich noch mit Zeitzeugen, z.B. in den Altersheimen, reden, solange sie noch da sind ( hab ich mir vorgenommen). Wenn genügend Leute etwas zusammentragen (Projekt), könnte man eine Dokumentation daraus machen.

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